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Reto Andrea Savoldelli schickte mir
ein Link zu einem Video mit dem Thema "Deutsch-russische
Freundschaft":
In Erwartung
erfrischender Nachrichten inmitten unserer gemächlich dem Abgrund
entgegenschlitternden Welt klickte ich es an.
***
Und etwas später
tippte ich eine Antwort an Reto.
Raymond:
Grad eben klickte ich das Link an, um mir das
Video anzuschauen. Nach der dritten Minute - Zeitrafferaufnahme im Frisiersalon
- brach ich ab. Hielt es nicht mehr aus. Werd auch nicht mehr versuchen, mir
das anzuschauen.
Wieso macht man
das? Muß doch nicht sein?
Du weißt, daß ich
nichts für tierischen Ernst übrig habe und dazu neige, auch ernsthafte Themen
mit einer gewissen Lockerheit anzugehen.
Aber das hier ist
keine Lockerheit; das ist auf Lockerheit machender lärmiger Krampf.
Der Einstieg
erinnerte mich spontan an ein Video, welches ich vor ein paar Jahren gesehen
habe. Irgendein junges Gemüse war das, das man ins EU-Parlament gewählt hatte
und das sich in schlecht gespielter Zufälligkeit im Parlamentsgebäude, sich
lärmig umarmend, traf. Nun gut; das EU-Parlament ist auch so nicht ernst zu
nehmen; da kommt es auf etwas mehr oder etwas weniger Idiotie nicht an.
Aber RT ist doch
real eine wichtige und ernsthafte Sache, die man durch solches dilettantisches
lärmiges Gemache doch nur unnötig diskreditiert? Oder?
Mist, verfluchter
***
Worauf Reto
antwortete:
Ja, du hast sowas
von Recht. Ich gestehe, daß ich das rt-Video vor meinem erfolgten Hinweis - es
war keine Empfehlung - mir nicht angesehen habe. Ich dachte bei mir, daß, wenn
„Der fehlende Part“ in seiner inzwischen einzig erfolgenden Wochensendung
freitags eine Serie über deutsch-russische Freundschaft beginnt, so müsse ich
Dich im Zusammenhang deiner allgemeinen beruflichen und sonstigen
Lebenssituation vor dem Übersehen dieses Faktums schützen.
Das hätte ich
nicht tun brauchen. Das Video ist wirklich saudumm und oberdämlich (nichts gegen
Damen), denn diese haben einfach nichts zu sagen, weder über Deutschland noch Rußland
noch Freundschaft. Das Problem liegt beim Chef von rt-deutsch, der aus dem
Hintergrund agiert und deshalb gern unbedarftem Gemüse vollkommen atypischen
Langmut im Erproben vor Kameras zugesteht, weil dieser Schlag Jungvolk sich
doch leicht führen und wieder andershalber abhalftern läßt (es gibt
„Redaktoren“ - zB der gleichzeitig mit Jasmina gestartete männliche Pendant -
die kommentarlos wiederum wegbleiben).
Auch die Aufnahme
des „Kulturreports“ "Clash" ist eine kontrapoduktive Anbiederung an den
schlechten Westgeschmack in der Hoffnung auf Massentauglichkeit des
rt-Programms.
Sorry
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Meine Antwort (Raymond)
Wieso sorry? Nach
den qualvollen drei Minuten dachte ich, du habest mir das Link geschickt, um
mich darauf aufmerksam zu machen, was da für ein Mist produziert wird. Hattest
es selbst also noch gar nicht angeschaut.
Aber trotzdem gut,
daß ich diese Minuten durchlebt habe. Weiß nun immerhin, was los ist.
Bloß - was tut man
da? Wie kann man die davon abbringen, eine sinnvolle, wichtige Sache durch
solchen lärmigen oberflächlichen Dilettantismus kaputtzumachen?
♦ Der Teil des
Publikums, auf dessen Geschmack diese lärmige Leere abgestimmt ist, ist für RT
sowieso nicht mehr ansprechbar; die folgen brav ihren Wessi-Medien.
♦ Und den
intelligenteren Teil des Publikums, der sich von den westlichen Leitmedien
nicht an der Nase herumführen läßt - stößt solches Gemache nur ab.
Mist, verfluchter
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Mein Kommentar an
Reto:
Raymond:
Das ist deftig...
Die von Seewald
lancierte Petition mit Bitte um Schaffung eines deutschsprachigen RT hab ich
damals mit unterzeichnet; Seewald ist auch unter meinen Facebook-Kontakten.
Seine Seite zur RT-Problematik seh ich zum ersten Mal.
Daß die
RT-Petition Erfolg hatte, begrüßte ich; doch da ich sprachlich selbst nicht
darauf angewiesen bin, kümmerte ich mich dann weiter nicht mehr darum.
Jene qualvollen
drei Minuten von heute früh war mein erster Ausflug in die deutsche RT.
Natürlich war mir sofort klar, daß das bei solchen Moderatorinnen nicht bloß
ein einmaliger Ausrutscher sein kann; aber daß es so schlimm ist, hätte ich
nicht gedacht.
Letztendlich nicht
nur kein sinnvolles Gegengewicht gegen die westlichen Lügen, sondern bloß eine
Erweiterung des deutschen Mediensumpfes.
Mist, verfluchter
***
Eine weitere
Hiobsbotschaft von Reto:
Jetzt mußt Du ganz
stark sein, denn das Fremdschämen nimmt angesichts der
"Kultursendung" von rt-deutsch heftige Dimensionen an.
"Clash" soll das Tor
zur Popkultur für rt-deutsch weit aufstoßen.
Ein weiterer Griff
in die Scheisse. Ich bin der Meinung, daß die unfreiwillig-tragikomische Note,
welche die niveaulose Anbiederung an WestPop auszeichnet, System hat. Ich
vermute, daß Ivan Rodionov bei rt-deutsch dafür verantwortlich ist.
Dies die letzte
Sendung vor den Sommerferien von Clash:
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Ich bin verhältnismäßig stark; sonst würde ich das Leben,
wie ich es nu mal führe, gar nicht aushalten. Aber jenes Clash-Link klicke ich
erst an, wenn ich mich ganz besonders stark fühle; so stark, daß auch der größte
Mist mir nicht mehr die Laune verderben kann.
Oder ich schau es mir überhaupt nicht an. Ja. Vermutlich
schau ich es mir überhaupt nicht an; auch dann nicht, wenn ich mich ganz
besonders stark fühle. Wenn besonders starke Kräfte ihres Einsatzes harren,
nutz ich die besser für Sinnvolles.
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Warum baut man solchen Mist? Die Lage ist ernst. Und weil
die Lage ernst ist, muß man sich an Menschen wenden, sich mit Menschen
verbünden, die denken können und Verantwortung fühlen. Es gibt in Rußland sehr
fähige, sehr gewissenhafte, sehr verantwortungsbewußte Journalisten. Und auch
im nichtschlafenden Teil der westlichen Bevölkerung gibt es fähige und
gewissenhafte Leute. Durch eine niveauvolle Zusammenarbeit fähiger und
gewissenhafter Leute aus der deutschen und der russischen Welt ließe sich am
ehesten ein Feld schaffen, durch welches die schlafende, leichtfertig
schwafelnde Mehrheit nach und nach in konstruktive Bahnen findet.
Durch Anbiedern an den allgemeinen Westgeschmack wird gar
nichts erreicht; außer, daß man den nicht schlafenden, denkenden Teil der Bevölkerung
zurückstößt.
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Ganz fatal fällt mir in diesem Zusammenhang die Sache mit
Depardieu ein. Als Putin dieses Schauspiel inszenierte, baute er, wie leicht zu
sehen war, auf den westlichen Promi-Kult. Das war eine Zeit, in der die
westliche Rußland-Hetze so langsam auf Touren kam; und so versuchte man denn,
den westlichen Promigläubigen einen nach Rußland übergewechselten westlichen
Promi vorzuführen.
Daß das nix bringt war mir – und nicht nur mir – klar;
auch wenn ich nicht ahnen konnte, wie sehr das schiefgehen wird.
Mit dem Volks, das in den trüben Wassern des Promi-Kultes
herumplätschert, ist eh nicht zu rechnen; die glauben ihren Medien und
Politikern; und ein westlicher Promi, der nach Rußland überwechselt, ist bloß
ein gefallener Promi.
Depardieu hat, wie ich aus der russischen Presse erfahren
habe, Rußland wieder verlassen und lebt in Belgien. Rußland bezeichnet er als
einen Schweinestall (oder sowat in der Richtung). Ob er seine
Charakterlosigkeit so weit treiben wird, daß er sich den westlichen Medien für
ihre Rußlandhetze zur Verfügung stellt – wird man sehen. Aber schon fast egal;
auf klein wenig mehr oder weniger kommt es nicht an.
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Die Lage ist, wie gesagt, ernst; man muß sich an den Teil
der Bevölkerung wenden, der fähig und bereit ist, zu denken, fähig und
bereit , gemeinsam nach gangbaren Wegen zu suchen.
Anbiedern an den westlichen Geschmack über Popkultur,
billige Promis, leeres Wischiwaschi bringt garantiert nix.
Rein gar nix.
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So isses.