Freitag, Mai 20, 2011

Vom Abschiednehmen

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Zwischenhalt auf einer Brücke

Menschen, mit denen man in gewohntem Zusammensein beisammen ist und die selber nicht so recht in Entwicklung begriffen sind, versuchen instinktiv, einen in dem Bild zurückzuhalten, das sie sich von einem machen; und wenn sie spüren, daß man sich zu sehr von diesem Bild entfernt, werden sie nervös und versuchen, einen zurückzuhalten.

Bremsprozesse sind das, die an der Bewußtseinsschwelle oder darunter ablaufen; meist merkt man gar nicht so richtig, was da passiert.

Selbst wurde ich schon früh mit diesem Problem konfrontiert; merkte zunächst nur, daß irgendwas nicht stimmt, ohne zu verstehen, was das genau ist, was nicht stimmt.

Wenn man nicht stehenbleiben kann, kommt es unweigerlich zu einer nicht abreißenden Kette von Abschiednehmen. Auch wenn es manchmal schwer fällt; aber man hat keine Wahl: entweder stehenbleiben und versauern, oder weitergehen und leben.

Manche von den unterwegs Zurückgelassenen verschwanden endgültig am Horizont, mit anderen blieb ein lockerer Kontakt; und eigentlich nur mit wenigen, die sich selber und nicht ihren Gewohnheiten und fixen Vorstellungen treu blieben, blieb ich in dauerndem echtem Kontakt.

Wie Nietzsche sagt:

"Nur wer sich wandelt, bleibt mit mir verwandt."

***

So isses.

Dienstag, Mai 17, 2011

Vom Hochbegabtsein

Zufällig fiel mein blick auf die sich häufenden Angebote von Hochbegabten-Coaching.

Das ist interessant.

Es gibt da also Super-Hochbegabte, welche den einfacheren Hochbegabten anbieten, gegen entsprechendes Entgelt ihnen in ihrem problemreichen Leben mit Rat, Tat und Therapie zur Seite zu stehen.

Ich stell mir das Leben eines Hochbegabten tatsächlich sehr problemreich vor; und sicher haben solche Menschen Hilfe dringend nötig. Allein schon die einen Hochbegabten in ihren Fängen haltende Forderung, immer gescheiter zu sein als andere, mehr zu wissen als andere und mehr zu können; überhaupt: all die Verpflichtungen, die der Status des Hochbegabtseins mit sich bringt, sind geeignet, das Leben zur Hölle zu machen.

Wieviel leichter hat man es da als Dummkopf! Denn als Dummkopf hat man – da man dumm geboren ist – das angestammte Recht, dumm zu sein und darf reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Allein schon dadurch hat man viel weniger Probleme.

Und von den blitzgescheiten Coachern wird auch kaum jemand sich dazu herablassen, ein Dummköpfe-Coaching anzubieten, um uns Dummköpfen das Geld aus der Tasche zu ziehen; so dass auch diese Versuchung uns erspart bleibt. Mal abgesehen davon, dass wir viel zu dumm sind um einsehen zu können, wozu solch ein Coaching überhaupt gut sein könnte.

Mit schwachsinnigen Grüßen

Raymond

Sonntag, April 24, 2011

Richtige und falsche Richtungen

Richtungen kann man im Sinne der öffentlichen Meinung einteilen in richtige Richtungen und falsche Richtungen. Die richtigen Richtungen sind meistens uninteressant und führen in Sackgassen, während die falschen mitunter interessant sind und Neues bringen.

Wer aber eine von der öffentlichen Meinung als falsch betitelte weiterführende Richtung einschlägt, der muß auf jegliche Effekte verzichten, die dazu führen könnten, daß selbige öffentliche Meinung aus nicht in der Sache liegenden Gründen die neue Richtung plötzlich in ihrem Sinne als richtig betrachtet, da der sinnvolle Bewegung versprechende Aufbruch sonst unweigerlich zu irgendwelchem mumifizierten Unsinn erstarrt.

So isses

Donnerstag, März 17, 2011

Vakuumschaffende entscheidende Momente

Das Eintreten entscheidender Momente für einzelne Menschen wieauch für Menschengruppen erkennt man heutzutage daran, daß sich um diese Menschen oder Menschengruppen herum plötzlich ein Vakuum bildet.

Auf der anderen Seite dieses Vakuums – so man nicht eh ungerührt zur Tagesordnung übergeht – beratschlagt man dann vielleicht, was man eventuell unter Umständen tun könnte; und wenn dann aufgetauchte Chancen ungenutzt vorübergezogen sind oder eine vermeidbare Katastrophe eingetreten ist, redet man – so man überhaupt was merkt – vielleicht darüber, was man alles hätte tun können, oder auch: daß der betreffende Einzelne oder die betreffende Menschengruppe sich halt etwas mehr hätte anstrengen müssen oder dies und jenes nicht hätten falsch machen sollen, und alles wäre gut gegangen.

Hab ich alles zur Genüge durchexerziert; am eigenen Leibe wieauch in meiner näheren und ferneren Umgebung, wo ich, da ich als Einzelner nix machen konnte, hilflos dem Vorbeiziehen realer Chancen oder dem Eintreten vermeidbarer Katastrophen hilflos zugucken mußte.

Was die hochwohlgeborenen Herren und Damen Politiker und Journalisten bald schon über die Katastrophe in Libyen lavern werden werd ich übrigens nicht lesen; ich kenn das alles schon.

Wie mir grad einfällt: als ich anfing, dieses wichtige soziale Gesetz zudurchschauen, faßte ich meine Erkenntnisse in einer kurzen Erzählung – fingierter Brief an einen unerwartet wieder aufgetauchten Ertrunkenen – zusammen. Findet man hier.

So isses

Donnerstag, Februar 24, 2011

Ein Mensch in Not

Марсьёнок

Da hat man doch diesem von vielen als „Lichtgestalt“ betrachteten deutschen Verteidigungsminister den Doktortitel aberkannt.

Eigentlich ein armer Kerl. Man sollte ihm helfen.

Mit Rütteln am Doktortitel fängt's an; vielleicht versucht man anschließend noch, durch irgendwelche Winkelzüge zu beweisen, dass er auch seinen Adelstitel zu Unrecht trägt; und zum Schluss kriegt er vor lauter Kummer Haarausfall und setzt Fett an; und was bleibt dann noch übrig? Für das Publikum, im Hinblick auf welches er zur "Lichtgestalt" aufgebaut wurde, wohl gar nix.

Und dann soll es sogar Leute geben, die sich weder durch Doktor- noch Adelstitel beirren lassen und auf welche auch geschliffenes Äußeres keinen Eindruck macht; die einfach nur auf das schauen, was einer ist und was er kann. Von denen kann er, der arme Kerl, sowieso nix erwarten; die werden sagen, er soll bei der Post arbeiten oder sonstwat.

Man sollte schon versuchen, ihm zu helfen; denn wenn die äußeren Stützen, an die er sich doch so gewöhnt hat, fallen - woran soll er, der stützengewohnte, sich dann noch halten?

Nee – man sollte was für ihn tun....

Obige Anmerkung findet man,
zusammen mit verschiedenen thematisch verwandten sonstigen Texten,
in der Sammlung

Der politische Diskurs

Schimpanse_gruen

Dienstag, Februar 22, 2011

Über das online-Leben

Aus einem vorhin abgeschickten Brief an eine Bekannte, die sich über meine dem realen Leben entfleuchende Nutzung des Internet lustig machte. Da det vielleicht allgemein interessant ist und damit der Blog nicht darbe sei es hier veröffentlicht.

  • Das Online-Leben kann, bei rechtem Zugriff, zu einem ganz realen Bereich des ganz realen Lebens werden. Bei näherer Betrachtung ist das bloß eine Metamorphose uralter Gepflogenheiten. Bereits jener Apostel Paulus, zum Beispiel, schrieb vor 2000 Jahren Briefe an Leute, mit denen er zu dem Moment, da er sie schrieb, nicht zusammen war. Und nicht von ungefähr wurden im Laufe der letzten Jahrhunderte Unmengen an Geisteskraft aufgewendet zur Organisation eines funktionierenden Postsystems und, später, verschiedener sonstiger Kommunikationsmittel. Ohne die Möglichkeit, mit Menschen zu kommunizieren, mit denen man im „realen“ Leben räumlich nicht beisammen ist, hätten sich Millionen und Abermillionen menschlicher Schicksale ganz anders entwickelt, als sie es faktisch taten. Und auch das erweiterte Verbreiten von geschriebenem – etwa in Form der traditionellen Bücher – gehört hier mit dazu.
  • Die durch das Internet gegebenen erweiterten Möglichkeiten der Kommunikation führen, neben einer gesunden Erweiterung des „realen“ Lebens, zu unkontrollierten krankhaften Wucherungen, welche, die reale Kommunikation verfälschen und ersetzen (doch auch ohne Internet kennt man im realen Leben den inhaltslosen „Smalltalk“; online schießt der nur, bei solchen halt, die nichts anderes kennen, ins Kraut).
  • Da ich mit verschiedenen räumlich weit von mir entfernten Arbeitszusammenhängen verbunden bin und einen geographisch weit verstreuten Freundeskreis habe, bin ich, so wie früher ähnlich gelagerte Leute die Post benutzten oder noch früher reitende Boten, aufs Internet angewiesen; und sogar habe ich gelernt, eine Sache wie Facebook, wo eigentlich starke Wucherungstendenzen am Wüten sind, in meinem Sinne für mich nutzbar zu machen.

So isses.

Freitag, Februar 18, 2011

Dogmatisches

 

Auch der verbissenste Dogmatiker wird – so seine Verbissenheit ihm noch einen Rest an freier Denkbewegung gestattet – sich mitunter bereitwillig auf ein Gespräch über dogmatische Haltung einlassen; so lange halt, alsbis sein eigenes Dogmensystem als solches erwähnt wird. Dann wird er, je nach Temperament, erstaunt oder verärgert erwidern: Aber das sind doch keine Dogmen; das ist doch – je nachdem – selbstverständlich, evident, göttliche Offenbarung, wissenschaftlich längst bewiesen, oder sonstwat Unumstößliches.

Samstag, Februar 12, 2011

Kulturelles

IMG_6642Vor ein paar Tagen in Budva, nach vergeblichem Versuch, in einer Buchhandlung irgendwas von Bulgakow oder sonstwem in saftigem aufbauendem Russisch zu finden, interessantes Gespräch mit Wladimir: Warum er keine Bücher liest.
Mit leichtem Gepäck kam ich nach Montenegro und bin dort gestrandet. Was geistige Nahrung betrifft bin ich auf Online-Bibliotheken angewiesen; ansonsten: Darben. Und zu alledem noch selber schreiben. Geht fast nicht.
In Budva wimmelt es von Russen. Sogenannte „neue Russen“; größtenteils ungebildetes Volks, das durch Bauernschläue und das postsowjetische Wirrwarr ausnutzende faule Tricks es zu Reichtum brachte. Die Stadt gehört praktisch ihnen. Wladimir mag sie nicht. Ich, nebenbei gesagt, auch nicht.
Solche lesen natürlich nicht; und vor solchem Hintergrund war es naiv, in Budva in einer Buchhandlung nach Bulgakow zu fragen.
Auch Wladimir liest nicht. In seinem Fall ist das erstaunlich. Ehemaliger Mitarbeiter der Tretjakov-Galerie; hat dann sein eigenes Museum gegründet. Hochintelligenter Bursche.
Mein Bedürfnis nach saftiger russischer Literatur verstand er.
Er erklärte mir, warum er selbst nicht liest:
Früher sei es immer wieder mal vorgekommen, daß gebildete fortschrittlich gesinnte Freunde ihm irgendwelche Bücher irgendwelcher moderner Autoren empfahlen. Gewissenhaft habe er am Anfang versucht, die empfohlenen Werke zu lesen; und da es jedes Mal sich so ergab, daß er das jeweilige Werk als ungenießbaren Mist beiseitelegen mußte, hörte er irgendwann auf, Bücher zu lesen.
Ich antwortete ihm:
daß es mir genau so ergangen ist; und zwar, als Zweisprachigem, sowohl mit russischen als auch mit deutschen neuen fortschrittlichen Autoren. Die Mechanismen, nach denen solche, der Sache nach meist völlig blasse und uninteressante Schreiber aufgebaut werden, verstand ich ziemlich früh; das läuft alles nach dem Muster, welches Hans Christian Andersen in seiner Erzählung „Des Kaisers neue Kleider“ vorgestellt hat. All dies erklärte ich ihm; mit dem Hinweis, daß ich, gleich ihm und dem Kind in jener Erzählung, nichts Verwerfliches daran finde, wenn ich den Kaiser nackt sehe. Ich kann ja nix dafür, daß er nix an hat....
Aufgrund solcher Erlebnisse und Einsichten haben mich aber nicht von der Literatur als solcher abgewandt, sondern nur ein gesundes Mißtrauen entwickelt gegen Modeschreiber und überhaupt gegen in sogenannten „soliden“ Verlagen erscheinende neuere Literatur: Ich schau mir das schon gar nicht mehr an.
Wladimir verstand das und meinte, daß im Bereich der Malerei und bildenden Künste genau die gleichen Kräfte und Mechanismen am Wirken sind.
Er lebt mehr mit den bildenden Künsten, hat sich, trotz allem, nicht von ihnen abgewandt und arbeitet weiter engagiert in diesem Bereich; während ich, mehr im sprachlichen Ausdruck lebend, allen Widrigkeiten zum Trotz mich in diesem Element weiterentwickle.
So wurschtelt jeder sich durch auf seine Weise….
So isses
Diesen Text findet man in dem Sammelband

"Einblicke in Abwege"



Samstag, Februar 05, 2011

Pose und Sein

Heute, da die Sprache sich vom Inhalt verselbständigt hat, läßt sich in frommen Worten über fromme Haltungen sprechen und schreiben solcherart, daß nur dem geübten Hörer oder Leser verständlich wird, daß diese Worte als Ersatz dienen für die fehlende Haltung.

Statt Offenbarung lebendiger Gedanken, Element lebendigen Austauschs zu sein, erstarrt die Sprache zur welterretterischen Pose.

Welterretterische Pose aber bindet unser Denken und igelt uns ein gegenüber der Welt. Retten vor solchem Übel kann uns nur der Übergang zu einer radikal ungeistig-asozial-unchristlichen Grundhaltung; und sollten wir uns von solcher Grundlage aus zu geistesgegenwärtigen verantwortungsbewußten weltoffenen Zeitgenossen entwickeln, so wäre das weiter nicht schlimm.

Denn nicht einer weltoffenen verantwortungsbewußten Grundhaltung gilt unsere Kritik, sondern einem die Entwicklung selbiger behindernden Vortäuschen einer solchen.

So isses.

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Montag, Januar 17, 2011

Vom Nichtverstandenwerden

In klarer Formulierung sagst du etwas und bekommst Antwort auf etwas, was du nicht gesagt hast oder was als zufällige Nebensächlichkeit höchstens ganz am Rande mitschwang.

Ganz hilflos fühlt man sich dabei. Wie wenn du beim Autofahren die Kupplung drückst, und statt des Auskuppelns geht das Licht an, die Hupe hupt los oder das Auto explodiert.

So isses.

Donnerstag, Januar 13, 2011

Von den Funktionierenden

Discussion

Das in Nachfolgendem behandelte Problem wurde an vorliegendem Orte schon von den verschiedensten Seiten aus betrachtet; und wenn es nun schon wieder behandelt wird, so hat das damit zu tun, dass es dem Herrn Verfasser als gewichtig erscheint.

Also:

Viele Menschen verwechseln das Funktionieren der Strukturen, in die sie eingebettet sind, mit ihrem eigenen Funktionieren. Über die Natur dieses Funktionierens machen sie sich keine Gedanken und verachten mit selbstverständlicher Verachtung diejenigen, die ihrem Verständnis nach nicht so gut funktionieren.

Das geht so lange gut, bis sie aus ihren gewohnten funktionierenden Strukturen herausfliegen, oder bis die Strukturen kaputtgehen und sie nicht mehr wie gewohnt tragen können.

Ungeübt im selbständigen Hinterfragen, unfähig, sich in ungewohnten Situationen zurechtzufinden, werden sie dann umso hilfloser, und ihre frühere unreflektierte Überheblichkeit weicht genau so unreflektiertem Beleidigtsein.

Das Potential für künftige soziale Unruhen liegt eben bei diesen unreflektiert beleidigten (von denen viele zu dem Moment, da diese Zeilen geschrieben werden, sich noch in ihrer trügerischen Sicherheit wiegen und keine Ahnung haben, was auf sie zukommt).

Keinesfalls aber liegt ein solches Unruhepotential bei denjenigen, welche die tragenden Strukturen hinterfragen und auf Defekte aufmerksam machen. Der Denkende wird (wenn er nicht vom Denken in destruktive Programme oder sinnlose Emotionalität abschwenkt) immer bemüht sein, die Situation zu verstehen und nach evolutiven Wegen zu suchen.

Die eigentlich kritische Masse für soziale Unruhen liegt bei der jetzt noch satten und zufriedenen Mehrheit.

Das iss nu mal so; kannste nix machen….

Kakerlake-4784

Nachbemerkung

Diesen Text findet man auch in einer Zusammenstellung, die den Titel trägt "Wegmarken auf dem Weg in die Katastrophe"" und die man unter https://dl.dropboxusercontent.com/u/54042052/KL_Wegmarken.pdf  anschauen und/oder herunterladen kann.

Aus dem Vorspann:

"Bewußt bin ich mir, daß zu dem Zeitpunkt, da ich diese Vorbemerkung in den Computer tippe (Ende April 2013), viele Zeitgenossen nicht recht verstehen werden, von welcher Katastrophe hier die Rede sein könnte.

Und im Herbst 2008, als die erste der hier veröffentlichten Notizen zustandekam, waren es zweifellos noch viel mehr.

Doch die Zeiten ändern sich; immer mehr von jenen, die von keiner herannahenden Katastrophe etwas merkten oder merken wollten, werden von deren sich ausweitenden und sich Platz bahnenden Fluten erfaßt oder direkt damit konfrontiert, oder entdecken aus sonstwelchen Gründen, daß irgendwas nicht stimmt."

Doppelnas

Und auch in einer Textzusammenstellung aus dem näheren und ferneren Umfeld des Themenkreises "Bedingungsloses Grundeinkommen" (http://dl.dropbox.com/u/54042052/BGE.pdf) kann man diesen Beitrag finden.

Марсьёнок

Samstag, Januar 08, 2011

Über das Fernsehen

Das Fernsehen hat gegenüber allen anderen Informationsquellen den unbestreitbaren Vorteil, daß es einen bis zur völligen Benebelung einlullt; weswegen man nicht merkt, wie sehr man zum Narren gehalten wird und sich infolgedessen auch nicht unnötig aufregt.

Aber ich schau trotzdem kein Fernsehen. Genausowenig wie ich Alkohol trinke oder Haschisch rauche.

Ich versuche ganz einfach, mit möglichst klarem Kopf den Tatsachen ins Auge zu schauen und irgendwas zu kapieren; ganz egal, wie unangenehm das ist.

Eben.

Mittwoch, Dezember 29, 2010

Technische Zwischenbemerkung

Antworten auf Beiträge, die, ohne erkennbaren Bezug zum betreffenden Beitrag, nur Links enthalten, muss ich leider löschen. Die Links klicke ich aus Gründen der eigenen Sicherheit nicht an; und zur Vermeidung unnötiger Gefahren für die Besucher veröffentliche ich sie auch nicht.

Zur Sache beitragende Antworten und Kommentare sind natürlich jederzeit willkommen.

Sonntag, Dezember 26, 2010

Zwischenbemerkung über meine Schreiberei: wie ich det so mache

 

Ich schaff es nicht, auf einen Gedanken, den ich bequem in drei Sätzen umreißen kann, dreißig Seiten zu verschwenden.

Wozu sollte ich auch...

Wo ich gerafft darstellen kann, tu ich das.

Und wo es gerafft nicht geht – da schweif ich herum.

Dann fiel mir noch auf:

Von irgendeiner Seite her stoß ich knapp und energisch in ein Gedankenfeld, in einen Problembereich hinein, pack was und zieh mich wieder zurück. Um etwas später – manchmal für mich selbst überraschend – von einer ganz andern Seite her auf Neue reinzustoßen. So ergibt sich, aus vereinzelten knappen Zugriffen, nach und nach ein gewisser Überblick.

Das scheint so meine Art (kenn mich noch zu wenig). Vielleicht iss für andere anderes richtig; weiß nicht.

Das meiste schreib ich für mich selbst; und anschließend überarbeite und veröffentliche ich es, aufdaß es – vermutlich nur ein paar wenigen – anderen, denen es von Nutzen sein könnte, von Nutzen sei.

So isses.

Mittwoch, Dezember 22, 2010

Fragwürdiges Kopieren verhärteter traditioneller Strukturen

Ein deutscher Politiker namens Kauder hat laut ZDF-Nachrichten die fortschrittliche Welt in empörte Aufruhr versetzt, weil er Homosexuellenpaaren das Recht streitig machen will, Kinder zu adoptieren.

"Die Bedürfnisse homosexueller Paare müssten in diesem Punkt hinter dem Kindeswohl zurückstehen" meint er.

Ich muß gestehen, dass ich das auch so sehe. Und ich verstehe nicht, warum dieses Volks - das sich doch sonst so fortschrittlich gibt – mit solch sklavischer Nachahmungswut die traditionelle Familie kopieren will.

Wobei auch die Adoption in einer „normalen“ Familie natürlich nicht vor Katastrophen schützt.

Ich weiß das aus eigener Erfahrung. Denn ich bin in einer solchen normalen Familie aufgewachsen, sogar einer sehr normalen, mit sehr glänzender äußerer Fassade, die hinter dieser glänzenden Fassade, wie so viele richtige Familien in unseren fortschrittlichen Zeiten, durch und durch verfault war. Jahre brauchte ich, um mich von solcher Kindheit zu erholen, mich aus dem ganzen Mief herauszuarbeiten. Und ich weiß, daß es vielen so geht.

Und trotzdem: wenn ich versuche mir vorzustellen, wie es ist, statt in traditioneller Gutbürgerlichkeit in der nicht-traditionellen Gutbürgerlichkeit einer Homosexuellenehe aufzuwachsen – wird mir schlecht.

Denn, gottverdammtnochmal, wir sind doch unserer grundlegenden Anlage nach alle Heterosexuell; oder? Wäre es anders, so wäre die Menschheit längst ausgestorben. Mann und Frau sind nicht nur körperlich voneinander verschieden, sondern auch seelisch; und das Zusammenspiel zwischen männlicher und weiblicher Psyche müsste, denk ich, eine ganz andere Atmosphäre schaffen als ein männliches Einerlei (bei Lesbenpaaren – wo es nicht ideologisiert fanatisch wird – könnte es etwas weniger unerquicklich sein; weiß nicht). So oder so entsteht, wie mir scheint, fast zwangsläufig eine widernatürliche Atmosphäre, die der kindlichen Entwicklung normalerweise nicht sehr bekömmlich sein dürfte.

Warum leben diese Homosexuellenpaare nicht einfach zusammen? Niemand stört sie dabei. Warum versuchen sie krampfhaft, aus der Heterosexualität heraus entstandene eheliche Gemeinschaften nachzuahmen? Und warum fordern sie mit solcher Selbstverständlichkeit, daß man ihrer Nachahmungswut unschuldige Kinder opfert?

Muss doch nicht sein.

Der Tendenz nach werden die Menschen heutzutage immer individueller, und entsprechend wird auch das menschliche Miteinander immer vielgestaltiger. Die traditionellen Formen von Familie, von Mann-Frau Beziehung überhaupt, und selbst die üblichen Vereine, Vereinigungen können diesem sich seine eigenen Formen suchenden Miteinander schon nicht mehr gerecht werden; und wo man es hineinzupressen sucht – geht’s leicht mal schief; es kommt zu Zersetzungserscheinungen.

Am besten, man hört auf, traditionelle Formen sklavisch zu kopieren und versucht, bewusst aus dem konkreten Miteinander jeweils die entsprechenden Formen herauszugestalten. Nach außen hin mögen solche bewußt gestaltete Formen dann mitunter Ähnlichkeit haben mit den überlieferten traditionellen; aber es ist doch ein Unterschied, ob das Leben sich seine Form schafft, oder ob es in eine bestehende Form hineingepresst wird.

Entsprechende Versuche gibt es ja schon seit langem; spätestens seit den 68-ern die Kommunenbewegung – die aber ihre Vorläufer hat – stellte die überkommenen Formen in Frage. Das war aber alles stark ideologiedurchsetzt, und die verschiedenen Ideologien und Unterideologien waren und sind nicht minder gewalttätig als die Traditionen; aber es wurde immerhin mal was in Frage gestellt. Heute gibt es dafür Sachen wie die Swingerbewegung und alle möglichen chaotischen Anarcho-Richtungen; schon mit weniger Ideologie bzw. mit fast überhaupt keiner, dafür sehr spontan, lustbetont und chaotisch.

Alles nicht das, aus dem heraus sich sinnvolle Formen für menschliches Miteinander entwickeln könnten, aber deutliche Symptome für diffuses Suchen nach Auswegen aus einer Sackgasse.

Entwickeln können sich solche Formen aus einer Art „diszipliniertem Anarchismus“, der sich fernhält von der Versklavung durch Tradition, Ideologie und Biologie, und dafür aus aktivem Verstehen des konkreten Miteinander nach Formen sucht.

Und auch Homosexuelle könnten, statt die traditionellen Familienformen zu kopieren, ihre eigenen Formen des Zusammenlebens entwickeln. Niemand hindert sie daran.

Nur – Finger weg von heranwachsenden Menschen, die sich nicht wehren können!

So isses

Dienstag, Dezember 14, 2010

Über Randgruppen

Die Verwendung des Begriffs „Randgruppe“ hängt vom Gesichtspunkt ab. Betrachtet man, zum Beispiel, die heutige soziale Situation vom Gesichtspunkt der geistigen Beweglichkeit und der bewussten Verarbeitung von Lebenserfahrung, so erscheinen die braven Bürgersleut mitsamt ihren Promis als Randgruppe.

Betrachtet man es hingegen aus der Perspektive der gutbürgerlichen fixen Vorstellungen, so sieht det natürlich wieder ganz anders aus; aber mir scheint, dass es nicht schlecht wäre, wenn wir uns aus dem Verheddertsein in fixen Vorstellungen so nach und nach zu einer lebendigen Begrifflichkeit herausarbeiten würden, weilnämlich sonst die Sache gründlich schiefgehen könnte.

Eben.

Prost.

Sonntag, Dezember 12, 2010

Elitäres

Marsian child with two marsian pets after excessive lightroom treatment

Was versteht man heutzutage unter geistiger Elite?

Man versteht darunter eine Ansammlung von Menschen, die durch staatliche Diplome amtlich beglaubigt als Angehörige der geistigen Elite ausgewiesen werden, wieauch solcher, die durch gesteuerte soziale Mechanismen, wie sie Hans Christian Andersen in seiner Arbeit „Des Kaisers neue Kleider“ aufgezeigt hat, zu sogenannten Prominenten oder Promis avancierten.

Nun ist es aber so, daß der Geist weht, wo er will (steht sogar in der Bibel) und sich entsprechend weder durch amtliche Maßnahmen noch durch soziale Verwirrmechanismen gängeln läßt.

Doch was ist denn nun mit diesen heutigen geistigen Eliten? Was kann man von ihnen erwarten?

Erwarten? Doch wohl nichts; oder?

Und ob wir wohl deswegen, weil wir alles auf solche Eliten abschoben und abschieben, nunmehr dort stehen, wo wir, eben, stehen?

Am Abgrund stehen?

Kann sein. Ist möglich.

Schimpanse

Obige Anmerkung findet man,
zusammen mit verschiedenen thematisch verwandten sonstigen Texten,
in der Sammlung

Der politische Diskurs

Schimpanse

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Montag, Dezember 06, 2010

Wort und Inhalt

Manchen Ideen tut man Unrecht, wenn man sie mit knappen einzelnen Worten bezeichnet. Denn viele Bezeichnungen, die früher vielleicht gesättigt waren mit dem betreffenden Inhalt, sind inzwischen zu Worthülsen erstarrt oder haben ganz andere Inhalte angenommen; mitunter sogar solche, die dem ursprünglich Gemeinten diametral entgegengesetzt sind.

Wem es ernst ist was zu sagen und wer Mißverständnisse vermeiden will, der soll, redend, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, die Sache umschreiben; oder, notfalls: schweigen.

Freitag, Dezember 03, 2010

Deutsches

Dieser Blog ist, mitsamt sonstigen von mir betriebenen Netzpräsenzen, zu einem großen Teil in deutscher Sprache.

Vor dem Hintergrund einiger merkwürdiger Entwicklungen in der Bundesrepublik Deutschland sei sicherheitshalber angemerkt, daß diese deutsche Sprache außer in besagter Bundesrepublik auch noch gesprochen wird in Ländern wie Österreich, Schweiz, Luxemburg sowie gebietsweise auch noch anderswo in dieser unserer Welt; daß die deutsche Sprache somit nicht Eigentum ist der kontrollwütigen bundesdeutschen Machthaber und daß deren Machtbefugnisse, wie auch die Machtbefugnisse ihrer abmahnwütigen Trittbrettfahrer, sich keineswegs auf sämtliche deutschsprachige Publikationen erstrecken.

Ich selbst bin luxemburgischer Staatsbürger und lebe in Montenegro.

Понятно?

Ansonsten sei angemerkt, daß ich die deutsche Sprache sehr schätze und daß ich allen Widrigkeiten zum Trotz die Absicht habe, mich auch weiterhin in ihr auszudrücken.

So isses

Donnerstag, November 25, 2010

Vom Riskieren

Wenn man den Horizont auf vertrautes Altgewohntes einschränkt, um ja nichts zu riskieren mit ungewohntem Neuem, so fällt man dabei garantiert auf die Schnauze.

Denn das Altgewohnte ist mit Fallstricken übersät, die man in seiner schlafseligen Ergebenheit sowieso erst bemerkt, wenn man hingefallen ist.

Wer aber mit wachen Sinnen nach neuen Wegen sucht, der wird auch eher die Gefahren rechtzeitig erkennen.

So isses.

Sonntag, November 07, 2010

Überwinden der Sprachlosigkeit

„Ich muß zurück ins Rattenloch“

So lautet der Titel eines Sammelbands, Zwischenergebnis eines soziokulturellen Kunstprojektes, das der Autor Reimund Neufeld mit inhaftierten Frauen und Schülergruppen betreibt.

Untertitel: „Unerhörte Geschichten aus dem Frauenknast“

Der etwas reißerische Untertitel wird, wie mir scheint, dem menschlichen und literarischen Niveau, das in diesem Sammelband von Reimund Neufeld und verschiedenen Autorinnen erreicht wird, nicht ganz gerecht. Und das ist das einzige, das ich persönlich an diesem Buch auszusetzen habe.

Durch kulturelle Aufbauarbeit wird Menschen, die durch ungünstige Umstände in Randgruppen abgedrängt wurden, beim Überwinden ihrer Sprachlosigkeit, Finden ihrer Aufrechten geholfen. Kultur im eigentlichen, ursprünglichen Sinne.

Jenes Buch zählt man zur Außenseiterliteratur. Randgruppen halt. Kann man so sehen; natürlich. Für mich persönlich sind Außenseiter all die Ehrgeizlinge, die sich behäbig plätschernd vom Mainstream tragen lassen, während die hier empfohlenen Sachen eher in die Nähe dessen kommen, was ich unter echter Literatur verstehe.

Näheres siehe hier

Im Weiteren werde ich an dieser Stelle die Arbeiten einzelner Autorinnen besprechen.

So weit mal, knapp und skizzenhaft.

Bis später

Raymond

Donnerstag, November 04, 2010

Entwicklung als Störfaktor beim Reproduzieren

 ♦♦♦
Manches Volks mißt den Grad des Menschheitsfortschritts an der Zahl derer, die sie zu ihren Vorträgen und Kongressen, in ihre Vereine und Sekten locken können.
Sollen sie messen….
Doch der Geist weht, wo er will; und am wenigsten wohl in solchen Vorträgen und Kongressen, Vereinen und Sekten.
Prost.
Doppelnas
Er, der Geist, kann da gar nicht wehen, da die Programme und Dogmen ihn nicht lassen. Reproduzieren tut man dort vorhandenes Ausgedachtes; lebendiger Geist und Entwicklung würde nur als störend empfunden, da sie Neues bringen. - Dies gilt auch und sogar ganz besonders für Zusammenhänge, wo viel über Geist und Entwicklung geredet wird. Denn der Geist lebt nicht im Reden über Geist; da kann er gar nicht leben; der Geist lebt in der lebendigen Geistesgegenwart.
Ein paar Beispiele aus meinem privaten Erfahrungsbereich:
Doppelnas
Doppelnas
Nachbemerkung Oktober 2012:


In Gedanken versunken, ergriff ich so nebenbei, halb reflexhaft, ein Buch, schlug es auf. Ein Satz zog meinen Blick, wie magisch, an:
♦ „Der Einzelne kann für sich kein Schicksal haben; Schicksal ist die stärkste soziale Macht.“
Genau das, an dem ich herumkaute.

 Mich beschäftigte nämlich das merkwürdige Faktum: daß offensichtlich so manche, sinnvolle soziale Entwicklung erstickend, „Schicksal“ durch sektiererische Zirkel und Tagungen ersetzen.
 
Doppelnas

So isses.

Donnerstag, Oktober 21, 2010

Metamorphosen der Ernsthaftigkeit

 

Eine Aufgabe, welche mit wahrem Lebensernste ausgestattete Menschen zu bewältigen haben, besteht darin:

in lockerem Ernste eine flexible Ernsthaftigkeit zu entwickeln, die sich den Dingen anpaßt und sie genau in dem Maße und in der Form ernst nimmt, wie sie es verdienen. Eine solche flexible Ernsthaftigkeit erscheint dann manchmal in der Form des Höheren Blödsinns. Denn auch der Höhere Blödsinn ist bloß eine Metamorphose einer sich selbst recht verstehenden Ernsthaftigkeit.

Freitag, Oktober 01, 2010

Leben im Ghetto

Aus den längst vergangenen Tagen des Warschauer Ghettos:

„Armbindenverkäufer gab es auch von Tag zu Tag mehr. Sie zeigten eine große Vielfalt von Produkten. Da gab es billige Papierarmbinden, praktische Zelluloidarmbinden, die man waschen konnte, und Luxusbinden aus Satin, mit dem Judenstern in nachtblauer Seide darauf gestickt. Man konnte Einkommen und Status eines Menschen fast aus der Armbinde erschließen, die er trug.“

(Janina David: Ein Stück Himmel)

[selbst auf die Gefahr hin, daß jemand sich wiedererkennen sollte (doch wer soll sich schon wiedererkennen; wer gemeint ist, ist zu denkfern, als daß er was bemerken könnte): der Grundcharakter des Geschilderten ist nicht auf das längst aufgelöste Warschauer Ghetto beschränkt; genau das Gleiche findet sich unter anderem auch in heutigen, besser ausgestatteten Ghettos, die teilweise zu sehr durch Wohlstand maskiert sind, als daß man sie auf Anhieb als Ghettos erkennen möchte; wie ja, eben, auch manche Bewohner des Warschauer Ghettos in eine durch Prestigedenken geprägte Scheinwelt flüchteten, ohne den Abgrund, der sie demnächst verschlingen sollte, zu beachten]

 

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Mittwoch, September 22, 2010

Zum Albtraum verkehrter Traum

Seit Jahrzehnten ist Arbeitslosigkeit das große Ideal: Eine lichte Zukunft, in welcher alle Arbeit von Maschinen verrichtet wird, und der Mensch darf herumhocken und konsumieren.

Vor lauter Lust am Konsum äußerer Güter kam man leider nicht dazu, aufmerksamer in sich hineinzuschauen. Sonst hätte man nämlich merken müssen, daß der eingeborenen, anerzogenen, eingefleischten Gesinnung nach nur derjenige als vollwertiger Mensch betrachtet wird, der gegen Geld irgendeine wie auch immer geartete Tätigkeit verrichtet oder gegen Bezahlung zumindest so tut, als verrichte er eine Tätigkeit.

Die faktische Annäherung an das eingangs erwähnte Ideal, die Arbeitlosigkeit also, wird nun mit abwertendem Beigeschmack als Krisensituation betrachtet;  und die immer zahlreicher werdenden Zeitgenossen, die sich keine bezahlte Tätigkeit oder kein bezahltes Vortäuschen von Tätigkeit verschaffen können, werden entsprechend zu „Arbeitslosen“ und in der öffentlichen Meinung zu Menschen zweiter oder noch niederer Sorte.

Laut herrschender Sichtweise ist also als ernstzunehmende Arbeit nur eine solche Tätigkeit oder ein solches Vortäuschen von Tätigkeit zu betrachten, für das man bezahlt wird oder das man auf Befehl tut; alles andere ist Hobby, ehrenamtliches Tun oder sonstwas unseriöses.

Wer kein Einkommen bekommt über solcherart definierte Arbeit und auch über sonst keine Mittel verfügt, der bekommt vom Staat Unterstützung.

Solche Einrichtung schafft Unmengen neuer bezahlter Arbeitsplätze, die mit der Verteilung dieser Unterstützung zu tun haben und, vor Allem, mit der Kontrolle und dem Gängeln der Unterstützten. Die einen kontrollieren, ob sie, die Arbeitslosen, nicht doch heimlich arbeiten; andere sind damit beschäftigt, ihnen subalterne Tätigkeiten zu vermitteln und zu kontrollieren, ob sie auch alles tun, was man ihnen sagt; und was es an Kontroll- und Zwangsfunktionen sonst noch gibt.

Die herrschende Mentalität verkehrt also in der Annäherung an die Erfüllung des erträumten Ideals das Ideal in einen Albtraum, schafft dafür aber ein Heer gutbezahlter Beamter, denen wir natürlich von Herzen ihren Wohlstand gönnen.

(ob ernstzunehmende Arbeit tatsächlich untrennbar mit Einkommen gekoppelt sein muß und ob solche Koppelung bloß ein bei näherer Untersuchung in sich zusammenfallendes Vorurteil ist, und ob, falls das bloß ein Vorurteil ist, es nicht sinnvoller wäre, das kostspielige kontrollintensive Unterstützungssystem durch ein sogenanntes „bedingungsloses Grundeinkommen“ zu ersetzen, wollen wir hier nicht weiter untersuchen, da wir dadurch die Existenzgrundlage jener entstehenden Beamtenheere antasten würden)

Eben.

 

Samstag, September 18, 2010

Negative Rückkoppelung

Gedanke während des Bemühens, gegen lautstarke dämliche Radioberieselung anzudenken:

Die Intelligenz einer Anzahl von Menschen hat einen Strom technischer Entwicklung ins Leben gerufen. Die Unfähigkeit einer viel größeren Anzahl Menschen, mit den technischen Errungenschaften umzugehen, führt ab einem bestimmten Moment einsetzender Sättigung zu einer zunehmenden Eindämmung der Intelligenz und somit zu einem Stillstand der technischen und kulturellen Entwicklung; mit Tendenz zum Absacken unter ein früher bereits erreichtes Niveau. Vielleicht landet die Menschheit auf solche Weise irgendwann wieder in der Steinzeit; bloß ohne die in der früheren Steinzeit noch wirkenden Instinkte. Oder einfach: als kosmischer Müll auf dem Schrottplatz….

Montag, September 06, 2010

Überführen der Notwendigkeit in die Zufälligkeit

Ein Satz, der mir bei ernsthafter Lektüre aufstieß und sofort meine Phantasie in weniger ernsthafte Gefilde abschweifen ließ:

„So bringt der Geist die Notwendigkeit in die Zufälligkeit.“

Aus dem Kontext war zwar klar, was gemeint ist: daß nämlich der Geist in einem wirren Chaos zufälliger wahrnehmlicher Gegebenheit Zusammenhänge, Gesetzmäßigkeit, Notwendigkeit zur Erscheinung bringt.

Klar war aber auch, daß außerhalb des Kontextes und bei entsprechender Intonation (bei Verlegen der logischen Betonung auf „Zufälligkeit“) der Satz genau das Gegenteil des hier gemeinten ausdrücken kann: daß der Geist nämlich, umgekehrt, gewohnte Gesetzmäßigkeit in die Zufälligkeit, ins Chaos überführt.

Das kann er ja tatsächlich; und eben das macht ihn, den Geist, so lustig.

Prost.

Freitag, August 20, 2010

Kulturelle Wurzeln und bedingungsloses Grundeinkommen

(Beitrag von mir in einem Forum zum Thema „Bedingungsloses Grundeinkommen“, in das ich mich mal eingeklinkt hatte und kurz darauf wieder ausklinkte; Eingehen auf einen Beitrag, darin die Forderung aufgeführt wurde, man müsse sich auf die „kulturellen Wurzeln“ besinnen. Wider Erwarten wurde mein Beitrag nicht verstanden (damals lebte ich noch in dem Vorurteil, klar Formuliertes könne auch klar verstanden werden; inzwischen habe ich solche Erwartungen über Bord geworfen und leb seitdem viel ruhiger)

Doppelnas

Wenn man unter „Kultur“ das versteht, was ursprünglich darunter verstanden wurde, ist es zweifellos so, daß wir ohne Wiedergewinnung unserer „kulturellen Wurzeln“ nichts erreichen können und weiter frischfrommfröhlichfrei dem Abgrund entgegenschlittern werden.

Wenn man aber unter „Kultur“ das versteht, was man heute gemeinhin mit solchem Worte meint, wird das Beschwören solcher „Wurzeln“ uns auch nicht weiterhelfen.

Kultur im ursprünglichen Sinne ist ja nicht das, was wir in Büchern lesen, im Theater auf der Bühne sehen oder im Museum uns angucken. Kultur im eigentlichen Sinne ist die Entwicklung unseres lebendigen Verstehens unser selbst und unserer Umgebung sowie das durch solches lebendige Verstehen getragene äußere Geschehen. Bei solcher Entwicklung können diese und jene Bücher – so man sie richtig liest – eine Hilfe sein; für sich genommen hat das Lesen von Büchern – und selbst von solchen, die im Rufe stehen, ganz besonders gescheite Bücher zu sein – nix zu tun mit eigentlicher Kultur.

Zum Beispiel scheint mir, daß mit der Problematik um das „bedingungslose Grundeinkommen“ eng verknüpft ist die Problematik der Motivation zum Tätigsein; und eben im Bereich der Motivation kommt es durch die gewohnte Koppelung von Arbeit und Einkommen bei mehr zum Aufwachen neigenden Zeitgenossen zu ganz fatalen Knoten und Wirrnissen; hier, zum Beispiel, gäbe es sehr viel zu tun; nicht vermittels Konstruieren gescheiter Theorien natürlich, sondern vermittels verstehenden Beobachtens und Aufdröselns. Ganz im Sinne übrigens der eigentlichen „kulturellen“ Wurzeln. Und vieles andere mehr; und ohne bewußte Auseinandersetzung mit der Bewußtseinsproblematik, mit der „kulturellen“ Problematik bleiben auch die Bestrebungen zum „bedingungslosen Grundeinkommen“ einfach bloß ein politisches Programm neben anderen politischen Programmen; zudem ohne große Chancen auf Realisierung; während bei stärkerer Berücksichtigung der zugrundeliegenden „kulturellen“ Komponenten selbst bei Nichterreichen des gesteckten Ziels ein „Scheitern“ gar nicht möglich wäre, da der Gewinn an geistiger Beweglichkeit, an „Bewußtsein“ in verschiedenster Weise und in verschiedensten Richtungen immer sozial fruchtbar wird: „Der Geist weht, wo er will.“

Das Abdriften der Kultur ins Nachahmen der Kultur, in dem wir heute – meist ohne es zu merken – mitten drin stecken, wurde als Tendenz ja schon recht früh bemerkt und geschildert; und mir scheint, daß es nötig wäre, diese Driftbewegung bis zu ihrem fatalen Endpunkt retrospektiv nachzuverfolgen, damit wir besser verstehen, wo wir jetzt sind.

In diesem Sinne: Unter http://klamurke.com/filistr.htm findet man einen in diesem Zusammenhang relevanten Zusammenschnitt bezeichnender Aussagen aus einer Arbeit von Nietzsche (ich meine damit nicht Nietzsche als im Panoptikum der „Gebildeten“ herumstehende Wachsfigur, sondern als unter jenem Abdriften leidenden und es beobachtenden lebendigen Menschen)

Und ein unter dem Titel „Phrase, Konvention, Routine“ veröffentlichter Auszug aus einem Vortrag zu diesem Thema, der irgendwann um 1920 gehalten wurde: http://klamurke.com/phrase.htm

So viel, möglichst kurz und doch zu lang, über kulturelle Wurzeln sowie deren Nachahmen im Hinblick auf deren Bedeutung für die Problematik des Bedingungslosen Grundeinkommens.

So isses

Samstag, August 14, 2010

Gemeinsames und nicht gemeinsames

Gemeinsames ergibt sich nicht so sehr aus ähnlichen Lebensumständen, sondern viel mehr aus der inneren Haltung, von der aus man mit diesen Lebensumständen operiert.

Wenn jemand die sozialen Möglichkeiten, welche in unseren diplomgläubigen Zeiten durch, eben, ein Diplom gegeben sind, dazu nutzt, um sich nach bestem Wissen und Gewissen nützlich zu machen und seinen eigenen Weg zu schlagen, so ist er dadurch stärker mit solchen verwandt, die ohne Diplom und sonstige Absicherungen in sozialer Verantwortung eigene Wege gehen, als mit solchen, die mit einem oder gar mehreren Diplomen versorgt sind und sich bloß darauf ausruhen, vielleicht auch gedankenlos irgendwelchen gutbezahlten, eventuell sogar sozial schädigenden Berufen nachgehen.

Wenn ich, durch innere Not und wirre Lebensumstände getrieben, heute in Odessa, morgen in Tiflis, übermorgen weiß der Teufel wo bin, und dabei bemüht bin, einiges zu kapieren und andere an diesem Kapieren teilhaben zu lassen sowie mich sonstwie sinnvoll sozial einzubringen – so bin ich in dieser Unstetigkeit stärker mit solchen verwandt, die in relativ stabilen Lebensumständen, aber unabhängig vom „Mainstream“ sich ernsthaft um sinnvolle eigene Wege bemühen, denn mit solchen, die, vielleicht mit gutem Finanzpolster versehen, heute hier, morgen dort sind, sich keine Sorgen machen und einfach bloß das Leben genießen.

In diesem Zusammenhang sei auch noch das „alternativen Spießertum“ erwähnt; eine Sackgasse, in welcher Menschen, ohne sich innerlich zu wandeln, aus „Wandlungsbemühen“ heraus entstandene Lebensformen nachahmen oder irgendwelche Jargons übernehmen; und diese alternativen Spießer sind mitunter überheblicher und dogmatischer als der in anerkannten Lebensformen sich verbarrikadiert haltenden „Ur-Spießer“. Der zur Eigenbewegung neigende läßt sich in den Anfängen seiner Bemühungen durch das Seelenverwandtschaft vorgaukelnde Vokabular leicht mal in solche Sackgassen hineinlocken, aus denen er sich dann, von hochklingenden leeren Worten betäubt und verwirrt, sich selbst und andern fremd, mühsam wieder herauswurschteln muß. Vorgegaukeltes Gemeinsames hat nämlich die heimtückische Eigenart an sich, daß es das Leben noch viel schlimmer verkompliziert als die Einsamkeit durch ehrliches Fehlen von Gemeinsamkeit.

So isses.

Freitag, August 13, 2010

Freitag der dreizehnte

Die 13 ist eine Zahl, die, wie man sagt, einen gewissen Abschluß, ein Ende von irgendwas bedeutet oder beinhaltet. Nun gibt es Volks, für welches nur das existiert und existieren kann, was sie gewohnt sind; und um dieses Gewohnte herum sehen sie nur gähnende Leere, ein beängstigendes Nichts.

Solches Volks hat nun, so es diese Zahlenmagie ernst nimmt, furchtbare Angst vor der das Gewohnte bedrohenden Zahl 13; und ganz besondere Angst hat es vor einem Freitag, dem 13, welcher, wie es heißt, die abschließende Wirkung der Zahl 13 noch verstärkt.

Wer aber über das Gewohnte hinauszusehen vermag, der versteht, daß ein jeglicher Abschluß der Übergang ist zu irgendetwas Neuem, ein Einsetzen neuer Entwicklungen, ein Aufbruch nach neuen Ufern; und entsprechend wird er, so er die Zahlenmagie ernst nimmt, die Zahl 13 als Glückszahl betrachten; und entsprechend wird ein Freitag der 13. seine ganz besondere Sympathie genießen.

So isses.

Freitag, Juni 18, 2010

Fußballsprüche

Irgendwo las ich:

"Ich lerne nicht extra französisch für Spieler, wo diese Sprache nicht mächtig sind. " (Mario Basler)

Nunmehr weiß ich, dass es einen vermutlich deutschsprachigen bzw. mehr oder weniger deutschsprachigen Promi gibt, der vermutlich mit Fußball zu tun hat und kein Französisch kann.

Wieder also durfte ich mir ein Häppchen von jenem Wissen aneignen, ohne das man heutzutage nicht mitreden kann; und wenn ich es in 5 Minuten nicht wieder vergessen habe, so weiß ich es bis nächste Woche.

Und wenn das Volks sich etwas intelligentere und markantere Persönlichkeiten zu "Promis" erwählen würde, würde dieser oder jener mir vielleicht sogar auffallen und sich mir einprägen; so daß ich nicht dazu verdammt wäre, ungebildet zu sein und außerhalb meiner Zeit zu leben.

Prost.

Samstag, Juni 05, 2010

Sparmaßnahmen

Es liegt mir fern, mich mit fremden Federn schmücken zu wollen: Die Grundidee, die künftig weltweit zu jährlichen Einsparungen in Millionen-, wenn nicht gar Milliardenhöhe führen dürfte (bin zu faul, es genau auszurechnen), stammt nicht von mir, sondern von Sandra Ravioli.

Ihre knapp formulierte bei Facebook veröffentlichte These lautet:

“Weihnachtsmann oder Mister Proper zum Bundespräsidenten und damit Geld sparen!!!!
Hatten gestern eine Diskussion wer der Nachfolger von Köhler werden könnte! Ich bin für sparen, deswegen einfach eine digitale Figur, ist kontrollierbar und kostet weniger dazu auch noch sympathischer!”

Mir selbst blieb nur, in ehrfürchtigem Staunen vor solchem die Welt veränderndem Gedankengut selbiges aus der Enge des deutschen Alltags herauszuretten und es auf das ihm gebührende Podest globaler Allgemeingültigkeit zu erheben sowie eine erste Skizze zu einer konkreten Verwirklichung zu erstellen:

Man könnte für jedes Amt, das keine intellektuellen Fähigkeiten oder Fachkenntnisse fordert und nur Geld kostet, eine Standardfigur komponieren; zur Auswahl je eine männliche und eine weibliche; die männliche, in unterschiedlichen Dosierungen, eine Mischung aus Supermann, Onkel Otto und dem, was Otto Normalerbraucher sich unter einem Intellektuellen vorstellt. Virtuelle Träger vergleichbarer Ämter würden sich von Staat zu Staat durch Sprache und Krawattenfarbe unterscheiden. Statt teurer Gehälter und Reisespesen würden die betreffenden Staaten dem Schöpfer der betreffenden Figur Tantiemen zahlen. Käme sicher billiger und brächte weniger Ärger.

Mögen denn die Dinge ihren Lauf nehmen.

Prost