(ausgelagertes aus dem wegen Spamflut ausrangierten Klamurke-Forum)
... um mir gelegentlich, von Fall zu Fall, meinen Ärger oder mein Erstaunen ob meinen Ärger oder mein Erstaunen hervorrufender Zeiterscheinungen vom Leibe zu schreiben...
Dienstag, November 06, 2007
Vom Werden und von Gewordenem
Freitag, November 02, 2007
Nachtrag zum "politischen Diskurs"
Nachfolgender aus dem einstigen Klamurke-Forum ausgelagerter Gesprächsfaden bezieht sich auf eine in der Klamurke veröffentlichte Auslassung zum Thema „politischer Diskurs“. [Da ich es müde bin, meine Zeit mit Löschen von Apothekenwerbung zu verplempern, wird jenes Forum nach Auslagerung einiger interessant scheinender Gesprächsfäden gelöscht.]
Ich glaube nicht, daß es möglich wäre, eine Auflistung von Ausdrücken, rhetorischen Figuren usw… zu erstellen, durch die der politische Jargon sich eindeutig von der normalen menschlichen Sprache unterscheidet.
Findet man, zusammen mit anderen Texten aus dem thematischen Umfeld, in der Textsammlung “Der politische Diskurs”
Donnerstag, März 22, 2007
Multikulturelles Verprügeln
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Da hat in Deutschland also eine Richterin den Antrag einer von ihrem Mann mißhandelten Ehefrau auf vorzeitige Scheidung mit der Begründung abgelehnt, daß im marrokanischen Kulturkreis – aus dem beide Ehepartner herstammen – der Mann seiner Frau gegenüber über ein gewisses „Züchtigungsrecht“ verfügt und daß dieses Züchtigungsrecht auch im Koran verankert sei.
Die beiden leben nun aber nicht in Marokko, sondern – in Deutschland. Die Richterin wurde – zum Glück – als befangen abgelehnt, und der Fall hat überhaupt für einigen Wirbel gesorgt. Und obwohl bei diesem Wirbel – wie das bei Wirbeln nun mal so ist – sehr viele und auch sehr viele unnötige Worte gemacht wurden, drängt es mich, zu diesen vielen Worten von mir aus noch einige hinzuzufügen (auf ein paar mehr oder weniger kommt es nicht mehr an)
Also denn:
Meiner Ansicht nach muß echte Toleranz immer von einem aktiven Verstehen der konkreten Situation, auf welche sie sich bezieht, getragen sein. „Toleranz“ hingegen als abstrakte Größe, als unverbindliches „laissez-faire“ setzt voraus ein gewisses Maß an Desinteresse und Ignoranz; vor allem dann, wenn diese abstrakte Größe in ein – im Grunde egozentrisches – Fortschrittsgebaren eingebaut ist („wir sind ja so fortschrittlich; und deshalb müssen wir unbedingt auch tolerant sein…“)
Wer die Sache nicht abstrakt nimmt, sondern konkret, merkt sofort, daß es in dieser Situation ein aktives Part gibt und ein passives: einer, der verprügelt, und eine, die verprügelt wird. Der Abstraktling sieht nur das aktive Part, und da ist alles ganz einfach: Soll er prügeln; vor allem, da das in seinem Kulturkreis ja so üblich ist.
Wenn man die Sache konkret nimmt, fällt sofort ins Auge, daß es sich bei dem Objekt des Verprügelns um ein menschliches Wesen handelt, auf welches sich – wenn schon, denn schon – das Postulat der Toleranz gleichfalls zu erstrecken hat.
Die Gesetzgebung in Deutschland und in sonstigen europäischen Staaten ist bestrebt, den einzelnen Menschen vor entwürdigenden, die leibliche und seelische Gesundheit schädigenden Eingriffen zu schützen; und wer um diesen Schutz ausdrücklich bittet, hat ihn zu bekommen; ganz egal, wie man das in Staaten mit anderen Gesetzgebungen hält.
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Wer aber Wert darauf legt, mißhandelt zu werden (sei es aus Masochismus, sei es aus religiösen oder sonstigen Gründen), dem macht niemand das Recht streitig, solches stillschweigend über sich ergehen zu lassen oder irgendwohin auswandern, wo Mißhandlungen von Gesetzes wegen erlaubt sind.
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So isses
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Nachbemerkung Januar 2015
Beim Durchlesenfie dieser vor Jahren verfaßten Anmerkung fiel mir auf, dass das weiter oben kursiv gesetzte etwas leichtfertig formuliert wurde. Hab das nun verbessert; lass aber den ursprünglichen Text so stehen und bring nachfolgend die verbesserte Version (warum ich das so mache, weiss ich auch nicht; aber ich bin nicht nur gegenüber fremden, sondern auch gegenüber meinen eigenen Macken (so sie sich nicht störend auf das Gemeinwohl auswirken) tolerant.
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Im Idealfall ist echte Toleranz von aktivem Verstehen der konkreten Situation, auf welche sie sich bezieht, getragen. Aber man hat ja keine Zeit, in alles verstehend einzudringen; und so läßt man die Leute halt machen und im Falle Vorhandenseins entsprechender Ehrlichkeit bemüht man sich bloß, sich nicht in leichtfertigem Beurteilen unverstandenen Tuns und unverstandener Gesinnung zu verheddern.
All dies ist sehr edel und durchaus angebracht; aber nur solange angebracht, als durch irgendein Tun nicht in unzumutbarer Weise andere Menschen behelligt werden, die sich solcher Behelligung nicht aussetzen wollen.
Und dann gibt es noch die Toleranz nicht als Gesinnung, sondern als in egozentrisches Fortschrittsgebaren eingebaute Pose („wir sind ja so fortschrittlich; und deshalb müssen wir unbedingt auch tolerant sein…“). Da die Pose, ihrer inneren Natur nach, primär auf ihre Wirkung achtet und weniger auf das, was sonst in ihrer Umgebung vorgeht, liegen auch solche Kinkerlitzchen wie Rechte Dritter nicht im Feld ihres Interesses.
Wer die Sache nicht abstrakt nimmt, sondern konkret, merkt sofort, daß es in dieser Situation ein aktives Part gibt und ein passives: einer, der verprügelt, und eine, die verprügelt wird. Der in seiner Fortschrittspose befangene Abstraktling sieht nur das aktive Part, und da ist alles ganz einfach: Soll er prügeln; vor allem, da das in seinem Kulturkreis ja so üblich ist.
Samstag, Februar 17, 2007
Von der Verantwortlichkeit
In den USA wurden – laut dpa – einem einstigen Todeskandidaten, den man 1985 fälschlicherweise wegen Mordes zum Tode verurteilt hatte und der 18 Jahre unschuldig im Gefängnis verbracht hatte, 14 Millionen Schadenersatz zugesprochen.
Wasletzteres natürlich gut ist.
Es heißt, daß damals die Staatsanwaltschaft Informationen, die den Betreffenden entlastet hätten, zurückgehalten hat.
Da drängt sich natürlich die Frage auf: warum man diejenigen, die sich solch fataler Verfälschung der Beweislage schuldig gemacht haben, denn jetzt nicht wegen Mordversuchs oder zumindest Freiheitsberaubung vor Gericht stellt? Denn solches liegt doch eigentlich vor; oder?
Wenn irgendwo ein Unfall passiert, so sucht man krampfhaft nach irgendwem, dem man die Schuld in die Schuhe schieben könnte: weil er etwa bei einer technischen Kontrolle einen mikroskopischen Haarriß in einem Radreifen übersehen hat, weil er versehentlich auf einen falschen Knopf gedrückt hat oder sonstwat. - Natürlich ist es richtig, daß man durch solches Vorgehen die Menschheit vor grob fahrlässigem oder gar böswillig zerstörerischem Verhalten zu schützen sucht (wennauch man dabei nicht unbedingt übertreiben müßte); bloß bleibt unverständlich, warum man hier die Mitarbeiter des Staatsapparats, und darunter auch: der Gerichtsbarkeit, auszuklammern pflegt. In Amerika – aber nicht nur dort – scheint es solche - fahrlässige wie böswillige - Verfehlungen seitens Mitarbeitern der Strafverfolgungsbehörden ja häufiger zu geben; hingegen hab ich noch nie gehört, daß entsprechende Konsequenzen gezogen wurden, wie man sie etwa bei fahrlässigem Versagen oder gar aktivem Herbeiführen eines Unfalls im technischen Bereich ziehen würde.
Ein Amtsträger, der aus Karrieregesichtspunkten (oder auch nur, um sich unnötige Arbeit bei der Suche nach dem tatsächlichen Schuldigen zu ersparen) gezielt eine Beweislage solcherart verfälscht, daß dadurch ein Mensch zum Tode verurteilt wird – begeht damit faktisch einen Mordversuch aus niedrigen Beweggründen; beziehungsweise, falls es zur Hinrichtung kommt: einen Mord; und logischerweise müßte er entsprechend zur Verantwortung gezogen werden.
Was zur Konsequenz hätte, daß etwa ein Staatsanwalt oder ein Untersuchungsrichter, der durch gezielte Manipulation der Beweislage einen Unschuldigen in die Todeszelle bringt, riskieren würde, selbst dort zu landen (womit ich nicht unbedingt der Todeszelle das Wort reden will; ich meine nur: wenn es sowat schon mal gibt, sollte im Geiste der vielbeschworenen Demokratie jener Ort auch für alle zugänglich sein).
Sonntag, Juli 23, 2006
Tiefgreifendes
Als ich dies schrieb, lebte ich in Tbilissi, und meine Alltagssprache war Russisch (Georgisch hab ich nie so richtig gelernt; aber in dem zweisprachigen Tbilissi ging das auch so). Die deutsche Sprache, mit der ich mehr oder weniger aufgewachsen bin, hätte mir egal sein können. War sie aber nicht.
Obiges Foto hab ich ein Monat vor Verfassen dieses Artikels in der Redaktion der Zeitschrift „Multinationales Georgien“ geknipst.
So isses.
Die deutsche Rechtschreibereform interessiert mich insofern nicht, als ich selbst, so ich Deutsch schreibe, mich an die deutsche Sprache halte und die Willkürlichkeiten irgendwelcher zu Autoritäten ernannter Reformer nicht beachte. Andererseits passiert es doch aber immer wieder, daß man dies und jenes in deutscher Sprache zu lesen hat; und dann packt einen zwischendurch, ob man will oder nicht, eine hilflose Wut ob all dieser Reformerdämlichkeit.
Ob man etwas getrennt schreibt oder nicht getrennt hängt – wie manchen vermutlich bekannt – mit der Begrifflichkeit zusammen, die durch dieses Wort bzw. diese Wörter repräsentiert ist und somit auch mit der Intonation. Hätte es nichts mit der Bedeutung, der Intonation usw... zu zun, sondern nur mit den Launen irgendwelcher normgebender Reformer, so bräuchte man ja eigentlich weiter kein Aufhebens darum zu machen; die mit keiner Realität verbundene Schreibweise könnte man so sein lassen, wie sie ist, oder aber, wenn schon mal Reform, sich den Launen der Reformer anpassen. Aber eben der Unsinn, den die Reformer mit ihren Veränderungen anrichten, lenkt den Blick ganz brutal und schmerzhaft darauf, daß, eben: Zusammenschreiben oder Getrenntschreiben eng mit dem Inhalt und somit auch mit der Intonation verknüpft ist.
Anlaß zu vorliegendem Erguß war eine „tief greifende Veränderung“, bei der ich mich mal wieder aufraffte, mir meinen Ärger vom Leibe zu schreiben (Anlässe gibt es sonst mehr als genug; aber man hat ja auch anderes zu tun, als dauernd nur seinem Ärger Luft machen…)
Wenn man die Sache nicht rein formell nimmt, sondern lebendig, in Verbindung mit der Sprache, entdeckt man sofort, daß „tiefgreifend“ und „tief greifend“ von unterschiedlicher Intonation sind und somit auch von unterschiedlichem Inhalt. Bei „tief greifend“ ist das Verb „greifen“ im Zentrum und wird entsprechend betont, während das Adverbum „tief“ nur als charakterisierendes Anhängsel fungiert. “Ein tief greifender Baggerarm“ zum Beispiel (ein besseres Beispiel fällt mir grad nicht ein; ist ja auch egal).
Etwas ganz anderes das zusammengeschriebene Adjektiv „tiefgreifend“, welches die Konsequenzen einer Tatsache charakterisiert: Eine tiefgreifende Veränderung. (Oder, als Adverb, die Konsequenzen einer Handlung: Er hat das tiefgreifend verändert.)
Aber wozu schreib ich det alles eigentlich?
Ach ja, um mich abzureagieren… Iss ja im Prinzip auch egal…
Prost.
Samstag, Juli 01, 2006
Fußballweltmeisterschaftliches
In Deutschland herrscht zur Zeit Fußballweltmeisterschaft.
Was im Einzelnen läuft, weiß ich nicht, und es interessiert mich auch nicht. Verstehen kann ich, wenn jemand Spaß daran findet, Fußball zu spielen. Halbwegs verstehen kann ich auch noch, wenn jemand Spaß daran hat, zuzugucken, wie andere Fußball spielen. Halbwegs… Selbst hab ich zum Beispiel eine Schwäche fürs Rudern. Doch hab ich nicht das geringste Interesse daran, zuzugucken, wie andere rudern. Wenn ich zugucke, werde ich höchstens neidisch: daß ich selbst grad keine Gelegenheit habe, zu rudern… Aber vielleicht ist das beim Fußball anders; ich weiß es nicht. Kann aber sein.
Vollständig unverständlich ist mir aber, wie man aus dem Zugucken ein solches Tamtam machen kann, und rätselhaft ist mir, wie ganze Völkerstämme ihr Wohl und Wehe davon abhängig machen, wie eine Mannschaft, welche aus irgendwelchen Gründen als „Nationalmannschaft“ des Landes definiert ist, in dem sie ihren Wohnsitz haben, mit anderen Mannschaften spielt; wie brave Bürger, die selbst nie einen Ball in der Hand hatten, ihr Selbstwertgefühl von dem Spiel der Nationalmannschaft jenes Landes abhängig machen, welches ihnen ihren Personalausweis ausgestellt hat. Vor ein paar Tagen las ich gar auf irgendeiner deutschen Nachrichtenseite, daß man in Deutschland hofft, mit Hilfe des Fußballs die wachsende Krise zu bewältigen; sogar die deutsche Bundeskanzlerin wurde mit zum Schrei weit geöffneten Munde beim Fußballgucken fotografiert, und es heißt, daß sie durch ihre Wandlung zum Fußballfan sehr viel an Popularität gewonnen hat. Ja nu, wenn das Volks Wert darauf legt, eine solch fußballfanatische Bundeskanzlerin zu haben, wurde durch solche Wandlung natürlich viel gewonnen.
Für mich aber ist all dies rätselhaft und viel zu hoch; und deshalb lassen wir dieses Thema besser sein und wenden uns verständlicheren Dingen zu.




