Mittwoch, April 16, 2014

Von Photoshop, bösen Russen und sonstigen unsere Beachtung verdienenden Wesenheiten

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Obige Fotos hab ich von der Seite 'Regnum.ru' geklaut;
näheres siehe weiter unten

“Wenn die Russen nicht freiwillig kommen wollen,
muß man sie mit Hilfe von Photoshop herzaubern.”
(Wilhelm von Dorten)

Die westlichen und die maidanisch-ukrainischen Massenmedien mitsamt den sich aus ihren Quellen nährenden westlichen Stammtischphilosophen berichten fleißig von auf ukrainischem Territorium ihr Unwesen treibenden russischen Sicherheitskräften.

Ja nun; was sollen sie nicht berichten, da viele ihnen aufs Wort glauben und fleißig alles weitererzählen. Doch da aber diejenigen, die ihnen nicht glauben, immer zahlreicher werden und da inzwischen sogar von anerkannten westlichen Autoritäten die Anwesenheit russischer Sicherheitskräfte auf ukrainischem Territorium ausdrücklich verneint wird (siehe zum Beispiel hier) muß man irgendwie Abhilfe schaffen.

Verschiedene ukrainische Quellen illustrieren, zum Beispiel, ihre Berichte über angebliche russische Verluste auf ukrainischem Territorium mit dem ganz zuoberst wiedergegebenen Foto. – Wie sich inzwischen aber herausstellte, wurde jenes Foto schon vor längerer Zeit nach einem Zwischenfall in Kasachstan aufgenommen (siehe Foto darunter); die Flagge auf dem Sarg wurde einfach per Fotobearbeitung durch eine russische Flagge ersetzt.

Und zwar sehr einfach machten sie das; man muß kein Fotofachmann sein, um auf dem ersten Blick zu merken, daß mit der russischen Flagge irgendwas nicht stimmt. – Doch wozu sich anstrengen, wenn es genug Leute gibt, die einem auch ohne Anstrengung alles abkaufen; nich?

Näheres (in Russisch) findet man hier.

Obwohl inzwischen selbst anerkannte westliche Fachleute die Anwesenheit russischer Sicherheitskräfte auf ukrainischem Territorium verneinen, werden selbige Sicherheitskräfte von den Medien und den Stammtischphilosophen unverdrossen weiter dortselbst hinphantasiert.

Aber vielleicht sind sie schon dabei, sich zu überlegen, wie sie das dann irgendwann so darstellen können: daß sie schon immer sagten, es gebe dort keine russischen Sicherheitskräfte?

Vielleicht wird das medien- und stammtischphilosophenseits irgendwann dann so dargestellt, daß Rußland, um irgendwelche noch viel schlimmere Absichten zu verbergen, bewußt keine Sicherheitskräfte in die Ukraine schickte und dabei sogar kaltblütig Tod und Verderben der dort lebenden russischsprachigen Bevölkerung in Kauf nahm.

Würd ich ohne weiteres für möglich halten; wieauch ich für möglich halten würde, daß manche sich selbst glauben.

Ich will's ja nicht leugnen: Diese Rußland-Ukraine-Geschichte nervt mich. Normalerweise lasse ich mich nicht auf unnötige Diskussionen ein; doch hier hab ich das Gefühl, daß ich mich einlassen muß. Und ich kann nicht anders; ich glaub, da kommt es auf jeden an.

♦♦♦

Jemand schickte mir ein Link zu einem längeren Aufsatz. Ich druckte das aus, las es aufmerksam durch. Und empfahl es, mit nachfolgendem Begleittext, auf Facebook:

“Der Artikel wurde mir empfohlen; ich habe ihn aufmerksam gelesen und – mit ein paar ganz kleinen Abstrichen, die ich mir selbst noch richtig zu Bewußtsein bringen muß – kann ich ihn nur wärmstens weiterempfehlen. Manche der Gedanken sind vielleicht etwas ungewohnt; aber wenn wir uns auf das beschränken, woran wir uns gewöhnt haben, kommen wir nicht weiter. Lektüre lohnt sich.”

Der Artikel heißt "Sonne und Mond. – Hintergründe und Wege im Ost-West-Konflikt um die Ukraine". (findet man bei Anklicken des Links)

Prompt erhielt ich eine hochphilosophische Antwort, welchselbige, da es mir interessant und typisch scheint, mitsamt meiner Entgegnung hier veröffentlicht sei:

♦♦♦

Es genügt ja nicht, wenn Putin schon die europäischen Faschisten und die postsowjetische Linke gegen die EU aufhetzt, da müssen "Dreigliederungsaktivisten" noch kräftig mitmischen....

♦♦♦

Beine Antwort:

Mich interessieren weder Dreigliederungsaktivisten noch Putin noch europäische Faschisten oder postsowjetische Linke. Ich habe den Artikel aufmerksam gelesen, und da die Gedanken mir weiterführend scheinen, empfehle ich ihn.

Das Katalogisieren überlasse ich denen, die es nötig haben.

(hast du den Artikel eigentlich gelesen? Er ist ziemlich lang; weiß nicht, ob du es gemerkt hast. Zwischen Veröffentlichung meiner Empfehlung und deinem Kommentar vergingen knapp zehn Minuten. Ich selbst wäre nicht in der Lage, in dieser Zeit einen 14 Seiten starken Text so aufmerksam zu lesen, daß ich mir erlauben könnte, darüber zu urteilen.

Katalogisieren kann man natürlich; das geht ja schneller und einfacher)

Schon vor einiger Zeit, als die Rußland-Ukraine-Problematik begann, aktuell zu werden, übersetzte ich verschiedene Äußerungen von Solschenizyn, die eine gewisse – den meisten offensichtlich fehlende –Hintergrundinformation boten zu dieser Problematik, packte das in ein PDF und stellte es zum Herunterladen bereit.

Gestern veröffentlichte ich, mit unten wiedergegebenem Begleittext, das Link zum PDF noch einmal auf Facebook:

Jetzt, wo es, begleitet von den Lügenchören der westlichen Medien, in der Ukraine zunehmend zu Blutvergießen kommt – nochmal das Link zu einem PDF mit ins Deutsche übersetzten Äußerungen von A.I. Solschenizyn zur Russland-Ukraine-Problematik. Wichtige Hintergrundinformation (für diejenigen halt, die vom Bedürfnis geplagt sind, etwas zu kapieren; wem solches Bedürfnis fehlt kann sich an Massenmedien und Stammtischphilosophen halten)

Herunterladen kann man das über dieses Link.

♦♦♦

Und prompt wurde mir von jemandem – dem gleichen, von dem der Kommentar weiter oben stammt – geraten, die Drogen abzusetzen; und er gab mir das Link zu irgendwelchen Äußerungen von irgendwelchem "freien russischen Menschen"; und so weiter und so fort.

Meine Antwort:

Wie du weißt, nehme ich nicht nur keine Drogen, sondern trinke nicht einmal Alkohol. Wir kennen uns gut genug; das war so zu den Zeiten, als wir uns gelegentlich noch trafen; und das ist auch jetzt noch so. Hab eine Schwäche für klaren Kopf. Und ansonsten: Ich bin permanent in Kontakt mit russischen Menschen, leb unter ihnen, les permanent russische Nachrichten (auch regierungskritische; die russischen Medien sind nicht so zentralisiert wie die westlichen); wie du vielleicht mitbekommen hast pflege ich seit Jahren, mich in russischsprachigen Gegenden aufzuhalten, habe überall dort Freunde und Bekannte und bin nicht auf Schlagworte angewiesen.

♦♦♦

Auf den Hinweis, daß das ein Scherz war; daß der Nationalwahn gemeint ist und so weiter…:

♦♦♦

Es war ein Scherz, aber allzu ernst gemeint. Hast du dir die Solschenizyn-Textsammlung eigentlich angeschaut, oder begnügst du dich mit dem gängigen Stempel, daß Solschenizyn ein stumpfsinniger russischer Nationalist ist? In diesem Sinne kann ich dir versichern, daß Solschenizyn von vielen russischen Nationalisten unbesehen als "russophob" abgestempelt wird. Ich weiß das daher, weil ich genügend Gelegenheit hatte, mich mit russischen Nationalisten zu unterhalten (selbst bin ich, gleich Solschenizyn, weder russischer Nationalist oder, wie man das heute nennt, Putin-Knecht, noch Russophob; ich versuch einfach zu kapieren, was los ist; zu welchem Behufe ich weder das Gespräch mit russischen Nationalisten noch mit Putingegnern scheue wieauch sehr gründlich Solschenizyn studiere. Übrigens ohne mich seiner Sichtweise sklavisch unterzuordnen; bin längst nicht mit allem einverstanden, was er sagt; aber das meiste halte ich für bedenkenswert, und deshalb verteile ich es)

Da ich Russisch spreche und mein Freundeskreis größtenteils in der russischsprachigen Welt beheimatet ist, hab ich Möglichkeiten, mich dezidiert über verschiedene Zusammenhänge und Hintergründe schlau zu machen; aber auch ohne Russischkenntnisse hat man inzwischen genügend Informationsquellen, um sich einigermaßen ein Bild zu machen.

Wenn man sich ein Bild machen will.

Was mich betrifft, so bin ich an Schlagwortaustausch nicht interessiert; tut mir leid

♦♦♦

Das ging dann aber trotzdem weiter… Bring im Weiteren nur meine eigenen Aussagen; worauf ich jeweils antworte ist auch so leicht zu sehen:

♦♦♦

Mit solchen Gemeinplätzen, daß "Geistesgrößen der Vergangenheit vieles anders sehen würden, wenn sie jetzt da wären" ist nix gewonnen.

Ich frage noch einmal: Hast du die Zitatesammlung von Solschenizyn gelesen? Weißt du, was er sagt? Ich habe das gründlich studiert, wieauch ich seine sonstigen Arbeiten gründlich studiert habe; und aufgrund dieses Studiums glaube ich nicht, daß er das heute im Wesentlichen anders sehen würde. Und ich betrachte ihn keineswegs als eine Geistesgröße der Vergangenheit; im Gegenteil finde ich viele seiner Arbeiten aktueller denn je.

Wie dem auch sei: An einem Austausch mit Schlagworten und Gemeinplätzen über Sachen, die der eine studiert hat und der andere nicht bin ich nicht interessiert.

♦♦♦

Meinst du nicht, daß da ein kleiner Unterschied besteht: Ob man es in einem bestimmten Kontext als unangebracht betrachtet, bestimmte Gedanken für eine breite Öffentlichkeit zu formulieren, oder ob man von jenen Gedanken selbst Abstand nimmt?

Ich selbst, zum Beispiel, seh da nicht nur einen kleinen, sondern einen riesigen Unterschied.

In jenen Solschenizyn-Zitaten (welche du, deiner Reaktion nach zu urteilen, nicht gelesen oder höchstens flüchtig überflogen hast) schildert Solschenizyn bestimmte geschichtliche Hintergründe; und ich kann mir nicht denken, daß er von dem, was er damals gesagt hat, inhaltlich heute Abstand nehmen würde. Und für Leute, die sich ein Bild machen möchten, kann das auch heute hilfreich sein. Eben für solche, die das möchten; wer es nicht möchte, braucht es ja nicht zu lesen.

Ob Solschenizyn es im Kontext der heutigen Situation für angebracht halten würde, das wieder so zu formulieren oder überhaupt zu formulieren – ist ganz was anderes und wäre sein Problem. Selbst vermute ich, daß er auch im heutigen Kontext zu seinen Formulierungen stehen würde, da die russische Haltung nicht reaktionär ist; doch wie dem auch sei: das wäre sein Problem.

So ein gewisses Hintergrundwissen muß man doch aber haben, um urteilsfähig zu werden? Nich? Eben für diejenigen, die sich solches verschaffen möchten, hab ich mir die Mühe gemacht, das alles zu übersetzen.

Ansonsten – ich hab anderes zu tun; lassen wir das.

Mist, verfluchter.

Ich hasse solche Diskussionen.

Aber vielleicht kann das dabei Ausformulierte sonst wem auf die Sprünge helfen…

Könnte sein.Wär möglich

So isses.

Sonntag, April 13, 2014

Von dem Gespenste der Neuen Rechten

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Offenbar gibt es immer mehr Zeitgenossen, die sich der Versklavung durch Richtungen, Parteien, Sekten verweigern und, bewaffnet mit ihrem gesunden Menschenverstand, bemüht sind, in eigener Regie etwas zu verstehen und ihrem Handeln eine sinnvolle Richtung zu geben.

Was ich persönlich gar sehr begrüße, weilnämlich ich der Ansicht bin, daß nur auf solchem Wege eine Chance besteht, die immer bedrückender werdende Sackgasse zu überwinden.

Und gleichzeitig amüsiert mich die Verunsicherung der Schubladisierungsgewohnten darob, daß solche Haltung das Schubladisieren doch aber ganz außerordentlich erschwert.

Unter Gejammer, daß da plötzlich Individuen herumlaufen, die sich dem übersichtlichen Katalogisieren feige entziehen, stopft man denn selbige mit List und Tücke irgendwo rein, wo grad Platz ist.

“Wer behauptet, wie das die Neue Rechte tut, es gebe werde links noch rechts, verschleiert nur daß er rechts steht!” (Zitat Jutta Ditfurt)

Zu denjenigen, die behaupten, es gebe weder Rechts noch Links (bzw. genauer: neben der Unterwerfung unter vorgegebene Richtungen gebe es auch noch unbekümmerte Sachlichkeit) gehöre – wie man aus obigem vermutlich leicht erraten kann – auch ich selbst; und von jener "Neuen Rechten" weiß ich nur, daß das eine Art Grabbelkorb ist, wohin Schubladisierungsfanatiker all diejenigen reintun, die sich sonst partout nirgendwo reinstopfen lassen.

Sollen sie reinstopfen: aufdaß sie durch die Komik ihres redlichen Bemühens das absurde Theater unseres Alltags um weitere vergnügliche Details bereichern.

Samstag, April 12, 2014

Asterix bei den Ukrainern

Ukrainisches

Freund Turchinov, der ukrainische Übergangspräsident, verkündet feierlich, daß für Anfang Mai, gleich nach den Wahlen, für Lwow eine gesamtukrainische Gay-Parade vorgesehen ist, die er persönlich anzuführen gedenkt.

Vielleicht werden, wie er hofft, sogar Gäste aus der EU und aus den USA teilnehmen; und selbstverständlich rechnet er damit, daß auch die Kollegen aus Svoboda, Udar und Batkivschina sich dazugesellen; wieauch man sich über die Teilnahme der einfachen Ukrainer freuen würde.

Die "einfachen Ukrainer" also, die wohl noch nicht alle zu den Höhen des europäischen Fortschrittes herangewachsen sind...

Und wir, die dem Fortschritt hinterherhinkenden unbedarfte Weltbürger, freuen uns denn an dem lustigen absurden Theater, das da vor unseren Augen abläuft.

♦♦♦

Erinnert mich irgendwie an eine Szene aus Asterix:

Ein penetrant romfreundlicher Gallierhäuptling (überall Aufschriften wie "Rome, sweet Rome") bei einem Rundgang mit seiner Suite:

"Und jetzt bauen wir ein Aquädukt.”

So Freund Turchinow (EU, sweet EU…):

"Und jetzt organisieren wir eine Gay-Parade"

Nachbemerkung:

Nach Verfassen und Veröffentlichen obiger Zeilen suchte ich auf der "Unian"-Seite nach diesem Artikel. Und wurde nicht fündig. Entweder er wurde entfernt, oder es hat ihn nie gegeben. Immerhin gibt es Photoshop und ähnliches.

Wie dem auch sei: Bis zu dem negativen Suchresultat hab ich all dem treuherzig geglaubt. Denn die Welt ist so angefüllt mit selbstverständlich hingenommener Idiotie, daß ich keinerlei Grund sehen konnte, dem nicht zu glauben (das sogenannte Postillon-Syndrom). Und zudem käme ein solcher Scherz – so es sich um einen solchen handelt – doch immerhin in die Nähe des Kernes der Sache.

Ob Fälschung oder nicht – so oder so betrachtete und betrachte ich diese Angelegenheit – gleich dem meisten Unsinn, dem man so Tag für Tag ausgesetzt ist – in erster Linie von der komischen Seite.

♦♦♦

Nach - Nachbemerkung

Ein Monat nach Verfassen obiger Nachbemerkung machte man mich darauf aufmerksam, daß obigere Mitteilung aus der ukrainischen Presse doch kein Fake ist und daß man Ähnliches auch in anderen ukrainischen Medien lesen konnte.

Iss aber egal. An der prinzipiellen Möglichkeit, daß ein solcher Unsinn heutzutage in der Presse veröffentlicht wird – daran kann ich aufgrund gemachter Erfahrungen nicht zweifeln. Und die Geistesart, die solche Veröffentlichungen möglich macht, ist unübersehbar vorhanden; ganz egal, auf welche Weise sie sich verkörpert.

Mittwoch, April 09, 2014

Von Sahnetorten und Brezeln

Что-то запрещено

Zufällig erblickte ich eine in schnoddriger Form gehaltene Mitteilung, daß einer deutschen Politikerin namens Schavan, der man wegen irgendwelcher Unregelmäßigkeiten den Doktortitel aberkannt hatte, nunmehr von der Lübecker Universität ein Ehrendoktortitel verliehen wurde.

Obwohl jene Dame mich nicht im geringsten interessiert, führte selbige Mitteilung zu einem kurzen Aufmerken; und die Frage kam auf: iss det denn nu ein Witz, oder isses tatsächlich so?

Falls es tatsächlich so ist, so stellt sich die Frage: haben die Lübecker det denn in vollem Ernste gemacht, oder taten sie es, um sich über die Dame lustig zu machen?

Und, zum zweiten: warum merkt sie nicht, daß es erniedrigend ist, einen Ehrendoktor anzunehmen, nachdem man ihr wegen Schummelei den richtigen Titel aberkannt hat? Wie ein Kind, das unerlaubt eine Sahnetorte aus dem Kühlschrank genommen hat, dem man dann, unter strenger Ermahnung, die Sahnetorte wegnimmt und zum Trost eine Brezel gibt.

Merkt sie denn das nicht? Bei einem Mindestmaß an Durchblick und Selbstachtung hätte sie den Ehrendoktor doch ablehnen müssen?

Aber irgendwie scheint das so das Durchschnittsniveau derjenigen zu sein, die heute Politik machen oder so tun, als machen sie Politik.

Vielleicht war es diese symptomatische Durchschnittlichkeit, die mich aufmerken ließ.

♠♠♠

So isses.

Bzw. könnte es sein.

Samstag, April 05, 2014

Von den Überariern

Tora

♦♦♦

Aus einem heute früh geschriebenen Brief.

Nur ganz leicht überarbeitet, unter Belassung der Schnoddrigkeit.

[…]

Übrigens schaut Wladimir sich regelmäßig das ukrainische Fernsehen an; hat mir gestern erzählt, wie das aussieht.

Selbst bin ich ja fernsehallergisch. Wladimir aber schaut Fernsehen; darunter auch ukrainisches.

Mich wunderte, daß er das überhaupt kann; dachte, da wäre nun alles auf Ukrainisch, das, wie ich aus Erfahrung weiß, für Russischsprachige nicht so leicht zu verstehen ist. Aber es stellte sich heraus, daß manche dieser Superpatrioten nicht genügend oder auch gar nicht Ukrainisch können und der Einfachheit halber Russisch sprechen; halt demonstrativ durchsetzt mit ukrainischen Wendungen.

Inzwischen gibt es da, wie Wladimir mir erzählte, bereits eine richtige Rassenwissenschaft; genau wie seinerzeit in Deutschland beim Adolf. Nun, klein wenig anders als beim Adolf ist sie schon; als eigentliche Übermenschen und Superarier gelten in diesem Fall die Ukrainer; aber auch die Deutschen sind gute Arier, bloß nicht ganz so gut. Und nicht umsonst zog es Hitler, laut Ansicht dieser ukrainischen Rassologen, in die Ukraine zu den Superariern. Es gibt da, scheint’s, mehrere Stufen von Ariertum. Wladimir hat sich das alles sehr aufmerksam angehört und hat mir gestern einiges erzählt; aber ich habe die Einzelheiten vergessen. Und dargelegt wird solcher Stuß von Leuten, die als Wissenschaftler vorgestellt werden; genau wie damals die Adolf’schen Rassekundler; und alles richtig offiziell.

Erstaunlich, wie rasant sich das entwickelt hat (war in Ansätzen offenbar bereits vorhanden; kriecht nur jetzt richtig hervor)

Und die Schulbücher werden umgeschrieben, aufdaß das ukrainische Übermenschentum den Schülern im rechten Sinne dargelegt werde. Daß die Schulbücher umgeschrieben werden weiß ich auch so; das bekomme ich mit; aber was Wladimir mir da alles aus seinen Fernsehexpeditionen erzählte, ist mir neu. Hanebüchenes Zeugs, und spannend, bis in welche Urzeiten die Geschichte der ukrainischen Überarier sich zurückführen läßt.

Eigentlich saukomisch; schlimm nur, daß es blutiger Ernst ist.

Auch das Adolf-Zeugs war im Grunde saukomisch; hab mir auf YouTube Reden von Adolf & Co angehört; wenn man das in einer Irrenanstalt oder in einem absurden Theaterstück sieht kann man sich darüber amüsieren; aber eben auch dies war blutiger Ernst.

So isses

Donnerstag, März 27, 2014

Über einen offenbar angestrebten deutschen Maidan

Beim Überfliegen deutscher sozialer Netzwerke fiel mir auf, daß da irgendwelche Aufrufe herumgeistern zum "Aufwachen" und zu Massendemonstrationen.

Aufwachen ist natürlich gut. Schlaf abschütteln, sich besinnen, überlegt gemeinsam mit anderen sich um gangbare Wege kümmern.

Was aber die Massendemonstrationen und Zusammenrottungen betrifft, so versteh ich nicht, was das, außer Randale, für einen Zweck haben könnte.

Zusammenrottungen sind nur ein Tribut an den Herdentrieb. Wie man vorher in der Herde des braven Bürgertums im Halbschlaf mitschlurfte, so schließt man sich nun, nach außen hin etwas energischer, der Herde des Antibürgertums an.

Aber Herde ist Herde, egal ob friedlich grasend oder in wilder Stampede dahinrasend.

Die Staatsmacht ist sowieso stärker (und selbst wenn sie – theoretisch sei es mal angenommen – nicht stärker sein sollte: hat man denn ein Konzept, um es besser zu machen?) und wird jede beliebige Randale nur als begrüßenswerten Vorwand nehmen, die Schraube noch fester anzudrehen; oder gar – als höchstes der Gefühle – die USA um brüderliche Hilfe bitten.

Zusammenrottungen sind aus den allerverschiedensten Gründen zum Scheitern verurteilt und machen alles nur noch schlimmer.

Der einzige Ausweg: daß möglichst viele Einzelne nach und nach zu sich kommen, versuchen, sich Übersicht zu verschaffen und, ganz ohne herdenhafte Zusammenrottungen, versuchen, in bewußtem Miteinander in übersichtlichen Zusammenhängen im Rahmen des noch Möglichen gangbare Wege zu schaffen.

Und die Bewegungsfreiheit ist so gering und wird immer geringer eben aus dem Grunde, weil man so lange geschlafen hat.

Iss nu mal so; ganz egal, wie schlecht es iss…

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So isses

Sonntag, März 23, 2014

Saakaschwili und seine Spuren in Georgien

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(Das Foto habe ich mir von der Facebook-Seite der russischen Zeitung “Isvestija” geklaut; sie mögen es mir verzeihen. Geklaut aus einem kurzen Bericht zu dem weiter unten etwas ausführlicher behandelten Thema. – Besagten kurzen – russischsprachigen – Bericht findet man unter http://izvestia.ru/news/567967)

Die georgische Staatsanwaltschaft hat Saakaschwili eine Vorladung zum Verhör geschickt; unter anderem in Angelegenheiten des rätselhaften – inzwischen offenbar nicht mehr ganz so rätselhaften – Todes des damaligen Premierministers Surab Shwania im Jahre 2005.

Schon damals wirkte das recht merkwürdig (ich lebt zu der Zeit in Tbilissi und kann mich gut daran erinnern); doch damals durfte man selbige Merkwürdigkeit betreffende Fragen nur hinter vorgehaltener Hand stellen; doch nachdem das Spiel von Saakaschwili und seinen Gönnern durcheinandergebracht wurde, dürfen inzwischen sogar die georgischen Strafverfolgungsbehörden höchst offiziell solche Fragen stellen; dürfen sogar in früher unter Verschluß gehaltenen Materialien herumwühlen wieauch involvierte Leute zum Verhör bestellen. – Solches taten sie ja dann auch fleißig; nur der aufgrund der bisherigen Ergebnisse ganz besonders involviert wirkende Herr Saakaschwili erklärt, daß er nicht die Absicht hat, nach Georgien zurückzukehren und gastiert in sicherer Entfernung bei seinen westlichen Freunden.

Es geht, ganz real, um Mordverdacht; um den Verdacht direkter oder indirekter Teilnahme an einem Mord.

Sollte er sich unschuldig wissen, könnte er ja wenigstens, während er bei seinen westlichen Freunden Unterschlupf hat, aus sicherer Entfernung Stellung beziehen und auf verschiedene von der georgischen Staatsanwaltschaft gestellte Fragen antworten.

Tut er natürlich nicht.

Wenn er der Aufforderung, zum Verhör zu erscheinen, nicht Folge leistet wird man ihn international zur Fahndung ausschreiben.

Ob die Wessis da mitmachen ist natürlich eine berechtigte Frage; aber egal.

Meines Wissens wird dieser Fall in den westlichen Medien noch nicht erwähnt. Nicht einmal lügen tun sie, die Medien. Schweigen einfach.

Sollte es sich dann partout nicht mehr unter den Tisch fegen lassen, wird man sich sicher irgendwelche Lügengeschichten ausdenken.

Glauben tut man ihnen ja; was sollen sie nicht lügen….

***

So isses

Mittwoch, März 19, 2014

Der Euromaidan und Europa

Nur ganz leicht ausgearbeitete vorhin in kleinem Kreise gemachte Anmerkung.

Ausgangspunkt ist das Problem, daß zahllose Zeitgenossen das Weltgeschehen durch das Prisma der Einteilung in politische Machtblöcke beurteilen:

♦♦♦

Eben das Blockdenken trieb das eh schon komplizierte und vielschichtige Ukraine-Problem in ein kaum noch aufzudröselndes Wirrwarr hinein. Jeder Block, jeder Unterblock läßt die ihm nicht in den Kram passenden Feinheiten beiseite und deformiert, wo es sein muß, das Verbleibende; und so entstand ein Chaos und ein Marktgeschrei, in dem sich kein Schwein mehr zurechtfindet.

Berechtigte Unzufriedenheit führte zu jenem Euromaidan.

Doch blieb es nicht beim berechtigten Volkszorn; nicht zu übersehen war, daß der Volkszorn von unbekannten Regisseuren als Material benutzt wurde für Ziele, die mit dem Volke nicht unbedingt zu tun haben; plötzlich erschienen da irgendwelche im Westen verankerte Klitchkos und sonstige Führerpersönlichkeiten; und leicht war zu sehen, daß da irgendwas faul ist.

Doch wie dem auch sei: Euromaidan hieß diese Versammlung; und sie hieß so aus dem Grunde, weil man sich Rettung von der EU erhoffte und in ebenjene EU hinein wollte.

♦♦♦

In die EU wollte man, ohne eine Ahnung zu haben, was diese EU, was dieses Europa eigentlich ist.

Nun gut; daß Europa kulturell eine Leiche ist, scheint auch den meisten Europäern nicht bewußt; aber daß in diesem Milieu geistiger, intellektueller, moralischer Verrottung zunehmend – wie es anders nicht sein kann – auch die Wirtschaft verrottet und materielles Elend sich ausbreitet – ist inzwischen sogar für zahlreiche Europäer nicht mehr zu übersehen.

Doch wenn die Europäer, im Allgemeinen, nicht wissen, was mit ihrem Europa los ist – wie soll man das in der Ukraine kapieren; besonders, wenn da – mit Epizentrum Euromaidan – ein Hexenkessel entsteht mit seinen Führerpersönlichkeiten, der das Denken weitgehend ausschaltet und ideologischer Fanatisierung Tür und Tor öffnet.

Daß der Euromaidan nur das Vorspiel ist zu einem großen Chaos sah ich sofort und ließ dann allmählich ab von dem immer mühsamer werdenden Unterfangen, inmitten dieses Marktgeschreis, des Wirrwarrs aus – bewußt oder leichtfertig verbreiteten – Lügen nach dem zu suchen, was Sache ist. Das einzige, was ich mit Sicherheit wußte, war: daß das ein Hexenkessel ist, in dem verschiedene Kräfte sich ihr Süppchen kochen; und daß die Sache, wenn kein Wunder geschieht, unweigerlich zu einem großen Chaos auswächst.

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Für mich erscheint in diesem Wirrwarr Rußland eigentlich als das kleinere Übel. Als das kleinere; aber eben auch: als Übel.

Doch was soll es, außer Übeln, auch anderes noch geben, da im Laufe der letzten Jahrzehnte die meisten Chancen verschlafen wurden. Daß dieser Schlaf irgendwann zu einem unsanften Erwachen führen wird – war vorauszusehen.

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(Unter "Erwachen" versteh ich natürlich nicht, daß man großflächig aufwachen und versuchen wird, sich besonnen um das zu kümmern, was Sache ist; zu solchem Optimismus seh ich keinerlei Anlaß. Ich meine das in dem Sinn, daß man durch die immer ungemütlicher werdende Weltlage am geruhsamen Weiterschlafen gestört wird und sich, von unerquicklichen und quälenden Alpträumen und Eindrücken geplagt, im Halbschlaf unruhig hin und her wälzt.

Und nach im Halbschlaf zu rezitierenden oder zu komsumierenden Sonntagspredigten über Geist und Welterrettung wird einem immer weniger zumute sein. Aber vielleicht versteht man dann wenigstens, mit einiger Verspätung, daß Geist nur in der lebendigen Geistesgegenwart lebt und daß man eben dies in all den verschlafenen Jahrzehnten, ob mit oder ohne Sonntagspredigten, eben, verschlafen hat.

Dies nur nebenbei.)

♦♦♦

So isses

Dienstag, März 18, 2014

Über das hinterhältige Tun von Putin

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Putin, eskortiert von zwei Marsmenschen

Zweifellos könnte man bei sachlicher Betrachtung an Putins Denk- und Handlungsweise einiges an Unstimmigkeiten entdecken.

Aber bei dem alles übertönenden dümmlich-fanatischen Anti-Putin-Geschrei fällt es schwer, noch irgendwas sachlich ins Auge zu fassen, und reale Unstimmigkeiten bleiben unentdeckt.

Sicher sind es Provokateure im Dienste Putins, die sich bei den Wessis und in die Reihen der russischen "Demokraten" eingeschlichen haben, um durch ihr geheimes Tun dieses Geschrei zu initiieren und zu verstärken.

Denn natürlich hat Putin das eingefädelt, um sein reales Tun hinter diesem Geschrei zu verstecken.

Anders kann es nicht sein.

Putin

Sonntag, März 16, 2014

Aus dem poetischen Umfeld des Herrn Hoeneß

Tirckl-Wolff

(Als Beitrag zu einer noch zu entwickelnden systematischen Verwertung unverständlicher schriftlicher Äußerungen)

Das Satire-Magazin "Der Postillon" hatte in Zusammenhang mit einigen Problemen, denen in jener Bundesrepublik Deutschland ein gewisser Herr Hoeneß derzeit sich ausgesetzt sieht, einen satirischen Artikel veröffentlicht unter dem Titel: FC Bayern erweitert Allianz-Arena um Hochsicherheitszelle mit Blick aufs Spielfeld.

Im Weiteren veröffentlichte man dann – wie bei jenem 'Postillon' dankenswerterweise üblich – eine Sammlung besonders gelungener Zuschriften.

Darunter war ein auf der Facebook-Seite des Magazins hinterlassener Kommentar, den ein Mensch mit Vornamen Tom verfaßt hatte, und zwarnämlich:

Ihr witzigen Fische mit dem Hoeneß Artikel spaßten hoffentlich findet Mann euch ihr Muschis

Dieser Tom'sche Beitrag zog sofort meine Aufmerksamkeit auf sich, da sein poetisches Potential nun mal nicht zu übersehen war.

Ich tippte denn eine kurze Abhandlung und bat Herrn Ernst Tirckl-Wolff, mein alter ego, es unter seinem Namen auf Facebook zu veröffentlichen:

Find ich gut. Vom Rhythmus und der Lautkomposition her läßt es sich zu einem herrlich blödsinnigen Lautgedicht verarbeiten; nur das 'dem' (fünftes Wort von links) läßt sich nicht unterbringen; das muß man rausschmeißen.

Wenn er so weitermacht bringt er es noch zum Dichter.

***

Ihr witzigen Fische

mit Hoeneß Artikel

spaßten.

Hoffentlich findet Mann euch

ihr Muschis

***

Vom Rhythmus her fast perfekt; der Mann hat das Zeug zu einem bedeutenden Dichter. Nur mit Deutsch scheint er etwas Probleme zu haben; so daß sich natürlich die Frage stellt, in welcher Sprache man ihn von seiner Begabung in Kenntnis setzen soll.

***

(Als Antwort auf eine Zwischenfrage:)

Was passiert, wenn der Herr Mann uns findet? Schwierige Frage. Erst müßte man klären, ob bei dieser poetischen Auflösung das Verb 'finden' die gewohnte Begrifflichkeit beibehält, oder ob es sie durch eine andere ersetzt. Und wenn es sie durch eine andere ersetzt - durch welche? Etwas, das wir schon kennen, oder etwas, das wir erst mühsam erschließen müssen? Oder reduziert sich 'finden' durch des Dichters Einwirkung hier zu einer reinen, begriffslosen, Lautgestalt?

Ein Gewirr schwer zu beantwortender Fragen, in welches dieser Herr Hoeneß und sein poesiebegabter Anhänger uns da hineingeschubst haben

(Zum Abschluß meldete ich mich dann auch selbst noch zu Wort)

Ein sehr wichtiger Ansatz, den du hier verfolgest. Wenn man anfangen würde, systematisch unverständlich bleibende schriftliche Äußerungen unserer Zeitgenossen auf ihre poetische Verwertbarkeit zu untersuchen und auszuschlachten, so hätten besagte Zeitgenossen sich wenigstens nicht umsonst schreibend abgequält; und zudem könnte ein solches Beginnen zu einer beträchtlichen Erweiterung und Vertiefung der Weltliteratur führen.

Samstag, Februar 22, 2014

Von der Bücherweisheit

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All die Weisheiten, die wir in den Büchern so finden, können – so es wirklich Weisheiten sind – sinnvollerweise nur helfen, die eigene Erfahrung zu verdauen.

Wohl gemerkt: zu verdauen, und nicht, sie kopfmäßig zu interpretieren.

In solchem Sinne sind sie eine Hilfe bei der Entwicklung der eigenen Weltsicht.

Anders werden sie nur zum störenden ideologischen – mitunter auch bloß rein verbalen – Ballast.

♣♣♣

So isses.

Donnerstag, Februar 20, 2014

Ukrainisches

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Als mir vom Ansatz her deutlich wurde, wo diese Aktionen in der Ukraine hinführen – weiß schon nicht mehr, wie lang das her ist; eine Woche, zwei Wochen, drei oder mehr Wochen – hörte ich auf, die Entwicklung in ihren Einzelheiten mitzuverfolgen und weiß auch jetzt nur, daß es kracht, mit Tendenz zu Ausweitung des Gekrache.

Ich weiß auch nicht, ob ich dadurch viel weniger weiß als all die Wessis, die auf ihre Weise sich über das Geschehen "informierten".

Iss sowieso egal.

Daß mit der ukrainischen Regierung einiges faul ist – wie, nebenbei gesagt, weltweit mit sehr vielen Regierungen – ist mir bekannt; ich habe selbst ein Jahr lang in der Ukraine gelebt und bekam einiges davon mit (bin, wie mir einfällt, noch immer Co-Moderator einer Xing-Gruppe 'Deutschland-Ukraine'). Und auch sonst, schon nicht mehr in der Ukraine lebend, hab ich mich in allgemeinen Umrissen informiert. Es ist einiges faul; aber eben: nicht viel fauler als in so manchen anderen als zivilisiert geltenden Ländern.

Es begann mit dem Euromaidan. Nun gut, der Euromaidan war nur das Symptom einer allgemeinen Unzufriedenheit. Aber doch typisch: in die EU wollten die. Ohne eine rechte Ahnung zu haben, was die EU für eine Sache ist und wohin die Entwicklungstendenzen weisen. Man hätte sich, zum Beispiel, in jenem zur EU gehörenden einstigen 'Volk der Dichter und Denker' bei Vertretern jener ständig wachsenden Volksschicht umsehen und umhören können, die von der gnadenlos wachsenden Welle des wachsenden materiellen und seelischen Elends überrollt werden. Aber davon, was das bedeutet, wissen fast nur die Betroffenen selbst (und von ihren Landsleuten, die nicht oder noch nicht von jener Elendswelle überrollt sind, werden sie zum Teil nicht als vollwertige Menschen betrachtet und somit als nicht der Erwähnung wert).

Man will sich nicht von Rußland vereinnahmen lassen… Nun gut (abgesehen davon, daß Abgrenzung oder Nichtabgrenzung gegen Rußland eh ein jahrhundertealter Konfliktherd ist): Rußland ist tatsächlich ein recht problematischer Machtblock (auf seine Weise problematisch; wie die USA und die EU es auf ihre Weise sind); sogar viel problematischer, als all die Wessis, die nur wissen, daß die Russen Homosexuelle verprügeln, die Pussyriots eingesperrt haben und insgesamt sehr böse sind, glauben möchten.

Daß diese Machtblöcke sich, aus was für Gründen auch immer, in die Belange einzelner blockfreier Staaten einmischen und versuchen, sie zu vereinnahmen, ist nun mal so.

Und ich vermute, daß in dem derzeitigen Hexenkessel auch jene Machblöcke ihre jeweiligen Süppchen kochen.

Statt den Teufel mit Beelzebub auszutreiben hätte man konzentriert versuchen können, die Probleme vor Ort zu lösen. Dazu braucht es Klarheit.

Daß man, wenn eine gewisse Klarheit herrscht, auch mal demonstriert, um etwas energischer als nur mit Worten auf die Probleme aufmerksam zu machen – scheint mir gerechtfertigt. Wenn aber das Demonstrieren zum Dauerzustand wird und auf reine Konfrontation hinausläuft – ist einiges faul.

Was man "ukrainische Opposition" nennt ist sowieso ein Wirrwarr der verschiedensten – sich gegenseitig nicht immer wohlgesonnenen – Gruppierungen. Nationalisten gibt es da, Ultranationalisten; und sogar die Sitch, die Saporosher Kosaken, scheinen sich bemerkbar zu machen. Bei Facebook sah ich in diesem Zusammenhang die Wedergabe jenes berühmten Bildes von Repin (siehe Titelbild dieses Eintrags); und derjenige, der das veröffentlichte, fand diese Kosakerei offenbar gut.

Ich glaube nicht, daß die Kosakerei zu jenen fernen Zeiten wirklich so lustig war, wie das heute aussehen mag; aber ganz sicher weiß ich, daß sie heute garantiert fehl am Platze ist.

Was am Platze wäre, wären Denkkosaken. Aber eben die fehlen.

Und so kracht es halt.

Kann man nix machen.

So isses (in allgemeinen Umrissen isses so; hab, wie gesagt, aufgehört, die Sache im Einzelnen mitzuverfolgen).

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Eben.

Nachtrag 8. November 2014

Viele Monate später also, nachdem sehr vieles passiert ist.

Daß der Maidan in ein Großes Chaos ausufern wird hatte ich richtig vorausgesehen. Ja nu, wie sollte ich es nicht voraussehen; das war nu mal nicht zu übersehen; höchstens Blinde konnten das nicht bemerken.

Vorhin schickte mir jemand das Link zu einem älteren Interview in der Leipziger Internet-Zeitung: "Was gerade in der Ukraine stattfindet, ist ein Putschversuch"

Erschienen am 13. Dezember 2013: also zwei Monate vor diesem Blogeintrag.

Der Artikel machte mir schlagartig bewußt, wie naiv und blauäugig ich damals die Maidan-Ereignisse betrachtete. Beschämend. Ich sah praktisch nur die Unzufriedenen, die da herumdemonstrierten und in die EU wollten; ja nu, darüber hinaus noch dies und das; aber doch: naiv und blauäugig.

Kein Trost, daß diejenigen, mit denen ich mich damals schon in Sachen Maidan herumzustreiten hatte, die Sache noch viel naiver und blauäugiger sahen. Nicht einmal blauäugig, sondern blind. Meist Wessis, die ihre Weisheiten aus der etablierten westlichen Presse holten.

Würde die arrivierte westliche Presse – der ich inzwischen, durch massive Erfahrung klug worden, kein Wort mehr glaube – ihrem Informationsauftrag nachkommen, so hätte ein solches Interview nicht nur irgendwo halbversteckt in einem Lokalmedium erscheinen dürfen, sondern darüber hinaus auch in irgendwelchen Spiegeln und Fokussen. Doch eben hier wurden auch schon damals die ukrainischen Tatsachen verdreht und umlogen.

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Eben.

Samstag, Februar 08, 2014

Warum ich Sotchi boykottiere

Дюковский парк

Ich boykottiere Sotchi, weil ich zwar mit größtem Vergnügen mich selbst bewege, dafür aber nicht die geringste Lust habe, zuzugucken, wie andere sich bewegen.

Was es sonst noch für Gründe geben könnte, Sotchi zu boykottieren, interessiert mich nicht.

Sport und Politik gehören genau so wenig zusammen wie Kirche und Politik; auch wenn das aus unerfindlichen Gründen dauernd vermischt wird. Wer zugucken möchte, wie irgendwelche Leute um die Wette rennen und es sich leisten kann – möge getrost nach Sotchi fahren.

Mich nervt dieses lärmige Politikastertum.

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Mir wurde vorgeworfen, daß mir alles egal ist und daß ich gleichgültig zusehe, wie die Russen Homosexuelle verprügeln und insgesamt sehr böse sind und Menschenrechte verletzen.

Doch mir ist längst nicht alles egal. Die Situation in Rußland, aber auch in Deutschland und sonstwo, mitsamt Menschenrechtsverletzungen, den offenliegenden wie den versteckteren, interessiert mich sogar sehr; aber ich weiß auch, daß das alles viel zu kompliziert ist und differenziert, als daß man durch politisierendes Sportplatzgeschrei und künstlichen Aufbauschen einzelner Vorkommnisse irgendwelche Probleme erkennen und lösen könnte.

Und was speziell das hochgespielte Verprügeln von Homosexuellen betrifft: Dauernd werden alle möglichen Leute weltweit auf allen möglichen Straßen verprügelt. Generell ist das ausgesprochen schlecht, und man sollte dem einen Riegel vorschieben; ist klar. – Und dann gibt es noch Fälle einzelner Verprügelungen, ob schwer oder leicht, die man aus dem allgemeinen Verprügelungsreservoir herausgreift, um sie lautstark politisch auszuschlachten.

Würden die Homosexuellen rein privat ihre Homosexualität ausleben, so hätte vermutlich auch in Rußland kaum jemand etwas dagegen einzuwenden. Da sie aber daraus – gestützt durch den europäischen Gendermainstreaming-Unfug – eine andern aufzudrängende Ideologie machen und mit ihren Paraden und sonstigen Unternehmungen gezielt provozieren – gehen sie den Leuten auf die Nerven und fordern dadurch gelegentliche Überreaktionen heraus. Ist schlecht, aber verständlich.

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Wenn mehr Leute Sport treiben würden, statt anderen beim Sportmachen zuzugucken und aus dem Zugucken eine Religion zu machen, so würde die Atmosphäre vielleicht etwas klarer. Manchmal hat man den Eindruck, daß das gesamte Weltgeschehen sich in einen Sportplatz verwandelt mit alles verdeckendem stumpfsinnigem Gegröle. Vor lauter Grölen verliert man die Fähigkeit zu unterscheiden, was Sache ist und was nicht und braucht sich nicht zu wundern, wenn das unbeachtete unverstandene übergrölte Weltgeschehen einen überrollt.

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So isses.