Sonntag, Februar 17, 2013

Von den letzten Zuckungen der Großen Sattheit

Bei dem Finanzchaos ist ein Jeder, der den schrumpfenden Kreisen der noch halbwegs "Etablierten" angehört, dauernd direkt oder um ein paar Ecken herum an der Ausbeutung völlig Wehrloser beteiligt. Man kann nicht alles boykottieren; kann sich höchstens mit dem Gedanken trösten, daß man zu jedem Moment auch selbst aus seiner relativen Bewegungsfreiheit zu den völlig Wehrlosen rübergeschoben werden kann.

Um überleben zu können, müssen die Firmen knapp kalkulieren; und dadurch kommt es automatisch zu katastrophalem Mißbrauch (von dem nur vereinzelte Spritzer ins Bewußtsein der Öffentlichkeit gelangen)

Extreme Ausbeutung gab es auch während der "satten Jahre"; nur nicht ganz im heutigen Umfang und nicht ganz so sehr vor der eigenen Haustür.

Auch die Fluggesellschaften, zum Beispiel, müssen, um überleben zu können, knapp kalkulieren, da sonst die Zahl derjenigen, die ihre Dienste noch nutzen können, katastrophal abnimmt.

Der Durchschnittspassagier merkt vielleicht manchmal, daß bei der Versorgung an Bord nicht immer alles so ist, wie er es wünscht. Daß bei der knappen Kalkulation wo immer möglich Abstriche an der Wartung der Flugzeuge gemacht werden müssen und daß, da das Einstellen weiterer Piloten zu teuer käme, die vorhandenen bis zur Übermüdung im Einsatz sind – merkt man weniger.

Fliegen wird immer gefährlicher; und selbst wer das weiß – fliegt trotzdem. Weil wir unter den heutigen Bedingungen auf Mobilität angewiesen sind.

So lang halt, bis gar nix mehr oder fast gar nix mehr läuft.

Zu lang ließen wir uns durch die Sattheit einlullen und schlummerten stillvergnügt vor uns hin. Und nun haben wir den Salat.

Schwierig.

Donnerstag, Februar 07, 2013

Von echten und unechten Doktortiteln

Etikettenschwindel ist möglich bei einem Publikum, das den Sinn für Inhalt verloren hat und sich ausschließlich an Etiketten orientiert

(Wilhelm von Dorten)

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In Deutschland greift die Mode um sich, doktortitelbewehrte Politiker zu überprüfen, ob besagte Titel unter Beachtung der Spielregeln erworben wurden.

Was insofern sinnvoll sein kann, als dadurch dem breiten Publikum sonst verborgen bleibende Scheinheiligkeiten sichtbar werden.

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Ansonsten stellt sich die Frage, ob bei inhaltsblindem Publikum nicht jedes beliebige Etikett als Augenwischerei und Schwindel zu betrachten ist: Da es doch auf etwas hinweist, was sich der Urteilsfähigkeit des Konsumenten entzieht?

So daß, zum Beispiel, bei einem akademischen Titel es ohne jeden Belang wäre, ob selbiger unter Beachtung irgendwelcher vorgeschriebener Regeln erworben wurde, oder ob man ihn unter deren Mißachtung erschwindelt hat?

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Könnte sein. Wär möglich.

Eben.

Sonntag, Februar 03, 2013

Von Gurus und Politikern

Weder Guru möchte ich sein noch Politiker.

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Als Guru kannst du den größten Blödsinn verzapfen, den deine Anhängerschaft dann zur Weisheit zurechtdeutet; als Politiker mußt du, umgekehrt, bei jeder Bewegung darauf achten, daß man dir – so man dich weg haben will oder die die Journaille auf der Suche nach neuen Skandalen ist – daraus keinen Strick drehen kann.

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Moderne Gurus müssen nicht dauernd im Lotossitz herumhocken und dürfen sich normal kleiden. Was natürlich gut ist.

Aber es ist trotzdem nervig, wenn einem jeder Blödsinn zur Weisheit verdreht wird. Nicht einmal von Herzen herumblödeln kann man noch.

Manche beginnen der Einfachheit halber irgendwann, es ihren Anhängern nachzutun und sich auch selbst für unfehlbar zu halten.

Und werden darüber genau so einfältig wie ihre Anhänger.

Doch selbst wenn man dieser Gefahr nicht zum Opfer fällt, isses immer noch nervig.

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Als Politiker wird man gut gefüttert; was zweifellos positiv ist.

Aber dafür lauern jede Menge Gefahren.

Guckt man einer Journalistin in den Ausschnitt, ist man sexistisch, guckt man ihr nicht in den Ausschnitt, ist man verklemmt. Geht man an einer am Wege liegenden Bananenschale vorbei, ohne sie aufzuheben, so fehlt einem der Sinn fürs öffentliche Wohl; hebt man die Bananenschale auf und tut sie in den Abfallkübel, so macht man die Straßenfeger arbeitslos und hat keinen Sinn für den Arbeitsmarkt; rutscht man auf der Bananenschale aus, so fehlt einem die für das Amt benötigte Standfestigkeit.

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Alles in Allem: Guru oder Politiker soll werden, wer Lust hat; für mich wäre das nichts.

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So isses

Samstag, Februar 02, 2013

Zwei Tyrannen

StepanStalin

Bei Nachrichten, auch bei Nachrichten aus der russischen Presse, weiss man nie so genau, was in welchem Maße stimmt und was in welchem Maße ernst gemeint ist.

Zwei Nachrichten, die am gleichen Tag, und zwarnämlich am ersten Februar 2013, auf der russischen Nachrichtenseite Smartnews.ru erschienen, über zwei nicht sehr weit auseinanderliegende Städte an der Wolga.

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Die erste betrifft die Stadt Samara.

Dort schickt man sich an, dem Stepan Rasin ein Denkmal aufzurichten.

Und zwar nicht, im üblichen Sinn, als edlem Volkshelden und Volksbeglücker, sondern als blutrünstigem Tyrannen.

Was irgendwie erleichtert und zweifellos ein Fortschritt ist. Denn Stepan Rasin war, bei allem instinktiven Suchen nach "Gerechtigkeit", ein blutrünstiger Tyrann, der, wenn man ihn hätte machen lassen, auch weiter außer sinnlosem Gemetzel nichts zustandegebracht hätte. Ihn als Volkshelden zu führen ist zumindest nicht ganz sauber, und seine Entthronung zweifellos ein Fortschritt.

Man fühlt sich, eben, erleichtert.

Vielleicht auch nicht ganz so wichtig. Denn der Stenka ist schon lange tot und lebt höchstens noch klein wenig in Legenden weiter.

Aber eine gewisse Läuterung wäre es, wenn's stimmt, trotzdem.

Und auch ein Fortschritt.

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Etwas später geht dann die Rede von einer zweiten Stadt, ein Stück weiter südlich, wolgaabwärts gelegen, die ursprünglich den Namen Zarizyn trug, heute Wolgograd genannt wird und zwischendurch auch unter dem Namen Stalingrad bekannt war.

Die möchte man zurückbenennen in Stalingrad. Erneut benennen also nach jenem stumpfsinnigen blutrünstigen Tyrannen Jossif Wissarionowitsch Dshugaschwili, der sich Stalin nannte.

" Вице-премьер Дмитрий Рогозин в пятницу заявил о своем положительном отношении к идее переименования Волгограда в Сталинград"

"Der Vize-Premierminister Dmitri Rogosin hat am Freitag erklärt, daß er den Gedanken, Wolgograd in Stalingrad umzubenennen, positiv bewertet."

Det iss nu ein Hammer.

Zwar ist auch der Jossif Wissarionowitsch schon lange tot; aber noch nicht ganz so lange, und die Früchte seiner Taten sind noch nicht verblaßt; auch wenn manche sie nicht sehen wollen.

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Problem ist, daß es für die Sowjetunion nie etwas in der Art der Nürnberger Prozesse gegeben hat. Und wenn manche der sowjetischen Massenmörder hingerichtet wurden, so geschah das im Zuge interner Machtkämpfe, und nicht aufgrund objektiver Sichtung ihrer Schuld.

Wer nicht blind ist sieht natürlich, daß in Deutschland die Nazimentalität "in verwandelter Gestalt grimmige Gewalt" übt.

Aber daß man in Deutschland eine Stadt nach Stalins Kollegen in "Hitlerstadt" umbenennt – wäre undenkbar.

So isses.

Freitag, Februar 01, 2013

Warum ich so Beuys-allergisch bin

Dorten_Kuenstler

Josef Beuys hatte seinerzeit die Geistesgegenwart und den Mut, durch spritziges, den Rahmen des sterilen "allgemein Anerkannten" sprengendes Verhalten sich der dumpfen Verschorftheit unseres fortschrittlichen Daseins entgegenzustellen.

Durch sein Auftreten leistete er einen gewichtigen Beitrag, daß der verhärtete Grund an manchen Stellen aufgepflügt wurde.

Doch niemand ist perfekt; und so machte auch der Beuys ein paar offensichtliche Fehler (die aber sein Pionierverhalten in keiner Weise schmälern können).

Beuys machte, unter anderem, den Fehler, daß er anfing, verschiedene Äußerlichkeiten seines formensprengenden Tuns allzu ernst zu nehmen; so daß er, statt den Weg frei zu machen für lebendiges Gestalten, neue Verschorfungen schuf.

Und einen zweiten, mit dem ersten organisch verbundenen Fehler beging er: daß er nämlich gestattete, ihn zum Guru zu machen.

Dadurch versickerte der reale Kern seiner "sozialen Plastik" (möglicherweise von ihm selbst unbemerkt) in leerem Theoretisieren und belanglosen "sozialen" Spielereien, ohne daß er, dieser reale Kern, im realen Sozialen irgendwie fruchtbar werden könnte. Denn das reale Soziale wird von den Spielereien nur verdeckt.

♦♦♦

Wie sich in meinen Augen die erstarrte soziale Plastik ausmacht hab ich, ohne irgendwem zu nahe treten zu wollen und unter voller Anerkennung der realen Beuys'schen Leistung, mal hierselbst knapp skizziert.

So isses.

Dienstag, Januar 29, 2013

Zum Fall Brüderle

"Wenn dem Kleinkind der Schnuller aus dem Bette fällt, beginnt es reflexhaft zu weinen. Und der kindgebliebene Erwachsene, wenn er ein Schlagwort hört, wirft sich reflexhaft in Positur und beginnt zu plärren; wobei der Inhalt seines Geplärre davon abhängt, welcher Herde er sich zugehörig fühlt."

(Wilhelm von Dorten)

Womit die Mechanik dieses "Skandals" in aller Knappheit umrissen wäre. Auf das Inhaltliche braucht man nicht einzugehen; denn wo das Denken durch bedingte Reflexe und Etikettenkleben ersetzt wird – wird der Inhalt zur unwichtigen Nebensache.

Det iss dann einfach nur noch komisch.

So isses.

Samstag, Januar 26, 2013

Das von Dorten’sche Manifest

Aufgeblasene Klugscheißerei find ich nicht minder unerquicklich wie gedankenloses Gebrabbel.

In meinem Elemente fühl ich mich dort, wo man

  • mit gedanklicher Disziplin locker zur Sache kommt

oder

  • bewußt in aller Lockerheit den Blödsinn auf die Spitze treibt.

(Wilhelm von Dorten)

So isses

Mittwoch, Januar 23, 2013

Vom Tiefschlaf und von eingefrorenen Aufwachmomenten

Es kann einen Fortschritt bedeuten – und meist bedeutet es einen Fortschritt – wenn man sich aufrafft und den Mut aufbringt, seinen Schmerz oder seinen Unmut in Worte zu fassen und mitzuteilen.

Ein Moment des Aufwachens ist das, bei dem einem dämmert: daß mit der gewohnten 'Normalität' wohl irgendwas nicht in Ordnung ist.

♦♦♦

Doch damit ein solcher Moment des Aufwachens in ein wirkliches Fortschreiten übergeht, kann solches nur ein sich mehr oder weniger lang – aber nicht allzulang – dahinziehender Übergang sein.

Macht man aus dem Schmerz- oder Unmutbekunden eine Religion, so mündet ein solcher Moment des Fortschritts in Stagnation und Rückschritt.

Dann trifft man sich etwa in 'Selbsthilfegruppen', wo man sich von früh bis spat gegenseitig die Wunden leckt und die 'normale Welt' bittet, 'einen doch bitte so zu nehmen, wie man ist' (hab ich mal hier näher unter die Lupe genommen)

Oder weiß nichts Besseres zu tun, als herumzudemonstrieren und alle aufzurufen, 'sich zu empören'.

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Zu den im berufsmäßigen Empörtsein, im Berufsdemonstrantentum oder Schlimmerem steckenbleibenden Aufwachmomenten sei gesagt:

Daß es weder die "Empörten" weiterbringt noch sonst zu irgendwas nütze ist.

Das reine "Dagegen" hilft schon seit langem nicht mehr; die Zerstörungskräfte sind stärker. Das langsam sich ausbreitende Berufsdemonstrantentum verhärtet nur die Fronten und beschleunigt das Herannahen der Katastrophen. Eine Zeitlang war wohldosiertes Demonstrieren sicher sinnvoll, da es weitere Kreise darauf aufmerksam machte: daß irgendwas nicht stimmt; bloß wurde es, wie nun mal alles in gedankenentleerten Zeiten, zu einer mechanisiert ablaufenden Institution:

Zwei Maschinerien im Kampf gegeneinander; ein Kampf, in dem sie sich letztendlich bloß gegenseitig stärken und gemeinsam normale lebendige Entwicklung verunmöglichen.

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Es fehlen Ideen; und selbst wo sie, die Ideen, mal entwickelt werden, verwandeln sie sich sofort in tote politische Programme: statt, daß man sie lebendig weiterentwickeln würde, um sie real in den immer spärlicher werdenden Möglichkeiten, und sei es in allerkleinsten Kreisen, hineinzuverkörpern.

Wir haben zu lange geschlafen und haben in unserem Tiefschlaf nicht gelernt, uns lebendig mit der lebendigen Realität auseinanderzusetzen. Und nun zappeln wir, wo wir aus dem Tiefschlaf heraus plötzlich aufmerken, bloß hektisch herum.

Und viele merken noch immer nicht, was los ist und was auf sie zu kommt. Manche verfügen nun mal über ausgeprägte Fähigkeiten, sich in ihrem Jetzt-Zustand zu verbarrikadieren und geflissentlich alles zu verdrängen, was dieses Jetzt in Frage stellen könnte.

Sich im Status der "Erfolgreichen" verbarrikadierende brave Bürger in Deutschland etwa verachten die dortigen Hartz4-Versager und sonstige "Asoziale" und verstehen gar nicht, daß ihr "Erfolgreichsein" an einem seidenen Faden hängt und daß sie sich in ein paar Monaten in genau der gleichen Lage wiederfinden können.

♦♦♦

Griffig kann man diese Jetzt-Hörigkeit der braven Bürgermentalität anhand der Endphase des zweiten Weltkriegs studieren. Die Amerikaner und die Sowjets standen vor der Tür; und die an die Unverrückbarkeit des Status quo gewohnten braven Bürgersleut' jagten und ermordeten unverdrossen abgeschossene amerikanische Flieger, Juden und Vaterlandsverräter, um kurze Zeit später, verhaftet und konfrontiert mit der Feststellung, daß das alles wohl nicht ganz richtig war, die Welt nicht mehr zu verstehen.

An dieser Mentalität hat sich eigentlich nicht viel geändert; bloß das es jetzt nicht ganz so spektakulär ist.

Die weitverbreitete geistige Unbeweglichkeit und das unhinterfragte Kleben am "Jetzt" ist eine der Wurzeln der immer wieder aufbrechenden Katastrophen. Für eine normale Entwicklung braucht es geistig bewegliche Menschen; und wo man schläft, entsteht beim Schlafwandeln nu mal allerlei Unheil; kann man nix machen…

Und auch das berufsmäßige 'Sichempören' ist, wie gesagt, ein Kleben am 'Jetzt'; ein Weiterschlafen nach kurzem Moment des Aufwachens; nur daß das Festkleben einen Schritt weiter geschah, als bei den braven Bürgersleuten.

So isses.

Freitag, Januar 11, 2013

Von Kriminellen und von anständigen Bürgern

affe

'... Vernunft wird Unsinn, Wohltat Plage…"

(Goethe)

Der Begriff 'kriminell' bezieht sich auf Übereinstimmung oder Nichtübereinstimmung der Lebensführung mit den geschriebenen Gesetzen.

Die geschriebenen Gesetze ändern sich. Vor gut siebzig Jahren gab es, zum Beispiel, in verschiedenen europäischen Landstrichen Gesetze, die verboten, bestimmte Vorfahren zu haben, bzw. jenen, die den Fehler begangen hatten, verbotene Vorfahren zu haben, Schutz zu gewähren. Diese Gesetzte sind inzwischen nicht mehr gültig; aber nur als Beispiel, wie die Gesetze kommen und gehen.

Für den braven Durchschnittsbürger ist von jeher ein braver Durchschnittsbürger derjenige, der mit dem jeweils gültigen Gesetze in Einklang lebt; und sowieso kann er, der brave Durchschnittsbürger, sich zu einem gegebenen Momente gar nicht vorstellen, daß es andere Gesetze geben könnte. Und da gilt nun die Kunst, sich im Rahmen der geschriebenen Gesetze so zu bewegen, daß man ohne Konflikte für sich den größtmöglichen Vorteil herausschlägt; und wo das gelingt, ist man brav und erfolgreich; ganz egal, wieviel Elend man dabei für andere schafft.

Daneben gibt es dann noch – um einen Goetheschen Ausdruck zu benutzen 'das Recht, da mit uns geboren'. Doch von selbigem ist, wie Goethe gleichfalls richtig anmerkt, 'leider nie die Frage'. Oder höchstens ganz mal am Rande.

Im günstigen Fall widerspiegelt eine Verfassung das das 'Recht, das mit uns geboren'. Bei den meisten Verfassungen in den sogenannten zivilisierten Ländern scheint das trotz Allem auch weitgehend, mehr oder weniger, so zu sein.

Doch das nützt alles nix, wenn

  • das geschriebene Gesetz durch Personen oder Kreise, die hierzu über die entsprechende – politisch oder wirtschaftlich gestützte – Macht verfügen, stellenweise nach Belieben außer Kraft gesetzt wird. Im Allgemeinen macht der brave Bürger mit seinem gesetzesbasierten Moralverständnis bei den Mächtigen eine Ausnahme: da sie nämlich über unangefochtene Macht verfügen, gehören sie in seinen Augen zu den "hochgradig Erfolgreichen"; und hochgradig Erfolgreiche dürfen sich außerhalb des Gesetzes stellen, ohne kriminell zu sein.
  • Das Gesetz beamtenhaft-stumpfsinnig so ausgelegt wird, daß 'Vernunft zu Unsinn wird, Wohltat zur Plage'. Wer unverschuldet auf solchen Wegen mit dem Gesetz in Konflikt kommt, der gilt für das brave Bürgerverständnis als Krimineller oder zumindest als Versager.
  • Die Formulierungen des geschriebenen Gesetzes von braven Bürgern systematisch nach Schwachstellen abgesucht werden, um sie, sich selbst zum Gewinn, für andere Bürger zu Unsinn und Plage werden zu lassen (besonders griffig zu studieren anhand der zur Zeit in deutschen Landen wütenden Abmahnungsseuche)

Die Hauptsache aber besteht allemale darin, daß der brave Bürger über klare Kriterien verfügt, wer als braver und wer als nicht braver Bürger zu betrachten iss.

So isses.

Mittwoch, Dezember 26, 2012

Von der heutigen mitteleuropäischen Kultur

Goethe

Da man seinem eigenen Denken nicht traut,

schafft man sich Autoritäten,

um sie dann

– egal, ob sie was zu sagen haben oder nicht –

gedankenlos nachzuplappern.

(Wilhelm von Dorten)

Sonntag, Dezember 23, 2012

Ralph Boes und das bedingungslose Grundeinkommen

Aus der Distanz betrachtet scheint mir, daß Ralph Boes durch sein Vorgehen die Atmosphäre in den BGE-Zusammenhängen etwas gereinigt hat. Und zwar nicht durch eine programmatische "Aktion", sondern durch wohldurchdachte kompromißlose Konsequenz unter Einsatz seiner Person.

Aggressive programmatisch ausgerichtete Graphiken mit Aufschriften wie "Ich bin bös" empfand ich dabei eher als störend und kontraproduktiv.

Und nicht ganz sachdienlich scheinen mir auch solche Aktionen wie "Wir huldigen dem dreistesten Arbeitslosen der Welt", mit BGE-Papst, und so weiter.

Es kann da wohl nicht darum gehen, im altvertrauten politisierenden Sinne zu agitieren und Führerpersönlichkeiten zu schaffen. Eine echte 'Führerpersönlichkeit' spricht für sich, braucht keine Verehrung und wird nicht 'aufgebaut'; und wo man bei Leuten, die wirklich was zu sagen haben, solche 'Aufbautechniken' anwendet, behindert man nur deren reale Wirkensmöglichkeiten. ('Aufbautechniken' sind anwendbar, um irgendwelche Nullen, die eh nichts zu sagen haben, zu Promis, Politikern oder sonstwat aufzubauen; da gibt es dann auch keine Konflikte zwischen Realität und 'Image')

Mit politisierendem Getue bringt man niemanden dazu, sich der Idee des BGE als Denkmöglichkeit oder Notwendigkeit zuzuwenden; man schafft nur ein unnötiges in sich abgeschlossenes "Wir".

Es kann jetzt nur darum gehen, angedachte Gedanken weiterzuentwickeln und darüber dann auch nach Möglichkeiten zu suchen, die Früchte solcher Gedankenentwicklung – in größerem oder kleinerem Umfang – in die soziale Wirklichkeit zu verkörpern; auch wenn das sich wegen der Widerstände auf staatlicher Ebene – wie man erwarten muß – sich nicht durchsetzen läßt.

Selbst auf die Gefahr, mit obigem in alle möglichen Fettnäpfchen zu treten:

So isses

Dienstag, Dezember 11, 2012

Von Fakten, Zusammenhängen und Scheinwelten

Das Eine ist, unangenehme Sachverhalte als in sich abgeschlossene Fakten zu handhaben, sich über sie, als in sich abgeschlossene Fakten, zu ärgern oder gegen sie zu protestieren (und aus dem Protestieren mitunter eine Religion zu machen); ein anderes, ihre Abgeschlossenheit aufzusprengen und sie in einem größeren Zusammenhang zu sehen. Wenn man sie in größerem Zusammenhang sieht, werden sie nicht unbedingt angenehmer; aber dafür hat man, über das rein Emotionale hinaus, eher die Möglichkeit, in rechter Weise damit umzugehen und eventuell Abhilfe zu schaffen.

Derzeit ersticken wir mal wieder in faktischen Scheußlichkeiten, deren massenweises Auftreten uns ganz arg daran hindert, irgendwelche größere Zusammenhänge zu erfassen und etwas zu kapieren.

Nicht wenige flüchten sich, wie eh und je, in die Scheinwelten ihrer Massenmedien, in das Privatleben ihrer Promis und merken gar nix. So lange halt merken sie gar nix, bis die unter ihrer Mithilfe geschaffene Wirklichkeit sie brutal aus ihren Scheinwelten herausreißt.

Iss nu mal so.

So isses.

Donnerstag, November 29, 2012

Von den führenden Denkern unserer Zeit

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In freier deutscher Übersetzung das Vorspann eines Artikels bei Polit-online zu dem nicht abebbenden westlichen Pussyriot-Fieber:

„Nachdem die ‚rebellierenden Genitalien‘ sich zu den Höhen des Kandinsky-Preises wieauch des Sacharow-Preises erhoben sahen und die „Time“ sie zur „Persönlichkeit des Jahres“ nominiert hatte – da hielten auch die Nerven der Zeitschrift ‚Foreign Policy‘ nicht mehr stand, und sie gesellte mit machtvoller Geste die dreie zu den 100 führenden Denkern unserer Zeit.“

Daß die Pussyriots für jene wohlgesonnenen westlichen Bürgersleut‘, die sich als Krone des Weltenfortschritts sehen, zunehmend die Spitzen des Weltenruhmes erklimmen werden, war vorauszusehen; denn immerhin entsprechen sie in ihren Grundzügen genau dem Profil der westlichen ‚Promis‘ und bieten zudem eine herrliche Gelegenheit, den ‚bösen Russen‘ am Zeug zu flicken.

Daß – nicht die ‚Russen‘, aber die in Rußland über Macht verfügende Kreise – alles dransetzten, mit dem Aufhebens um diese drei leicht verwirrten Mädels sich lächerlich zu machen, ist auch für weniger wohlgesonnenes im Westen basiertes Volks nicht zu übersehen; und daß die dreie nicht ins Gefängnis gehören, dürfte auch klar sein.

Und genauso ist nicht zu übersehen, daß diese Rußland beherrschende Machtclique einen – vielleicht sogar beabsichtigten? – Beitrag geleistet hat zu einem weiteren Verblödungsschritt der wohlgesonnenen sich als Krone des westlichen Fortschritts sehenden westlichen Bürgersleut‘.

Obwohl es fast schon keinen Unterschied mehr ausmacht, ob sie die drei verwirrten Mädels zur Krone der zeitgenössischen Denkergarde hinzugesellen oder nicht; det iss alles gehopst wie gesprungen, und ein klein wenig mehr oder klein wenig weniger blödsinnig ist vor dem Hintergrund der allgemeinen Lage der Dinge eigentlich egal.

So isses.

Mittwoch, November 21, 2012

Aus dem Umfeld des Pussyriotismus

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(In leichter Überarbeitung ein paar noch immer aktuelle Notizen, die ich in den Anfängen des Pussy-Riot-Syndroms bei Facebook hinterließ)

In den russischen „Isvestija“ stieß ich auf einen Bericht, dessen Zusammenfassung in deutscher Übersetzung wie folgt lautet:

„Nachdem eine Bewohnerin aus Dolgoprudny [Vorort von Moskau] ihre lästig gewordenen Kinder aus dem Fenster geworfen hatte, wurde beschlossen, in den Schulen Spezialunterricht einzuführen. Und zwar sollen den Schülern aus den Moskauer Vororten Geistliche über familiäre Werte erzählen.“

Bei jemandem (wie zum Beispiel bei dem Verfasser vorliegender Zeilen), der auf eigene nicht sehr erhebende Erfahrungen mit der hohen Geistlichkeit zurückblicken kann und in den letzten Tagen zudem die tragikomischen laufenden Berichte zum Pussy-Riot-Prozess mitverfolgt, wo die russische Staatsmacht mitsamt der mit ihr verflochtenen Kirchenmacht in wirrer Willkür alles dransetzen, sich lächerlich zu machen – kann eine solche Nachricht als Anregung dienen zu durchaus humoristischen Assoziationen.

Vorstellen kann man sich zum Beispiel, wie da so ein frommer bekutteter Mensch vor der Klasse steht und den verblüfften Schülern erzählt, daß Kinder von Gott sind und daß man sie deshalb nicht zum Fenster hinauswerfen soll; und solches und ähnliches mehr.

Und allen Ernstes stellt sich die Frage: Wird nach dieser Pussy-Riot-Getue in Rußland überhaupt noch ein intelligenter Mensch in der Lage sein, das kirchliche Getue ernstzunehmen?

Selbst hab ich übrigens nichts gegen Kirchenleute; ganz egal welcher Couleur: soll jeder nach seiner Façon selig werden; und warum soll es nicht Menschen geben, welchen dieses Kirchliche etwas gibt für ihre Entwicklung.

So lange hab ich nichts gegen sie, als sie sich anständig benehmen. Wo sie aber das seelische verlassen und mit Hilfe weltlicher Macht allerlei Unfug und Unheil anrichten – hört der Spaß auf. Oder – günstigstenfalls – wird’s komisch.

Det iss alles recht kompliziert und vielschichtig. Auch der Kommunismus der Sowjetzeit war, meinem Eindruck nach, von unreflektierter wirrer Metaphysik durchsetzt. Später, nach dem Fall der Sowjetunion, kam das dann deutlicher zum Vorschein. In den neunziger Jahren hatte ich, ganz aus der Nähe, in Rußland mit ein paar Blättern zu tun, die ein wirres Amalgam boten aus Stalinismus und orthodoxem „Christentum“. Einer der Autoren, mit dem ich öfter zu tun hatte, sagte mir, daß Stalin direkt mit Gott in Verbindung stand.

Zunächst scheint man zur Zeit auf die orthodoxe Kirche als demagogisches Machtmittel zurückgreifen zu wollen; das funktioniert ja auch. Und die orthodoxe Kirche hat – entgegen anderslautenden Beteuerungen – durchaus jahrhundertlange Erfahrung darin, im Verein mit der Staatsmacht die Menschen zu unterdrücken. Vielleicht nicht ganz so extrem die die katholische Kirche; aber in der Hinsicht ist sie doch sehr katholisch. Man denke nur an die Altgläubigenverfolgungen, die damit zusammenhängende Belagerung des Solowjetzi-Klosters mit anschließendem Gemetzel; und so manches andere.

Irgendwie scheint da sehr vieles untereinander zusammenzuhängen; man müßte das genauer untersuchen.

Noch ein paar Worte zu den „Pussy Riots“: Die Mädels scheinen über ein gewisses geistiges Potenzial zu verfügen; sind halt noch sehr jung und haben sich etwas verheddert. Unter anderem in den westlichen „Werten“, nach denen sie gierig grabschen. Es ist, leider, tatsächlich so, daß begabtere Russen dazu neigen, den Westen zu idealisieren und sich von dort ihre „Werte“ zu holen. Und die bedauerliche Tatsache, daß der „Westen“ mit sich selbst nicht zurechtkommt und außer Mist kaum was zustandebringt, trägt auf solchem Wege denn auch zur Verstärkung des Durcheinanders in Rußland bei.

Und die gelegentlich behandelte Frage, ob das Pussy-Riot-Umfeld von entsprechenden westlichen Stellen finanziert wird, erscheint mir vor solchem Hintergrund zweit-oder drittrangig oder sogar bedeutungslos. Der Westen hat solches gar nicht nötig; er braucht nur sein eigenes Durcheinander zu fördern; und nach Rußland verpflanzter im Westen veranlagter Unfug wird – wie die Erfahrung zeigt – dort ganz automatisch auf die Spitze getrieben.

So isses.

Mittwoch, November 14, 2012

Vom Anderssein

„Der springende Punkt um in Erinnerung zu bleiben ist nicht, zu sein wie alle anderen, sondern aus der Reihe zu tanzen“

(zufällig erblickte Facebook-Statusmeldung)

Eben det iss der springende Punkt: aus der Reihe tanzen, um in Erinnerung zu bleiben.

Und sich dabei noch einbilden, man bewege sich mit seinem „Anderssein“ außerhalb des Mainstream, während man in Wahrheit und Wirklichkeit durch seine Eitelkeit nur noch tiefer hineingezogen wird.

Unbewußt sich einmischende Eitelkeiten vernebeln die Motivation…

Ganz was anderes ist, wenn man, rein um der Sache und der Gedanken willen, Gedanken ausformuliert und sich um Dinge kümmert, die zufällig vom „Mainstream“ nicht anerkannt werden. Solches kann, im Gegensatz zum „Andersseinwollen“, übrigens recht unerquicklich und mühsam sein.

Wer bloß „anders sein“ will – dem geht es darum, bewundert und erinnert zu werden. Wem es um die Gedanken und um die „Sache“ geht – der möchte verstanden werden.

Unhinterfragt ein gezielt aufgesetztes „Anderssein“ bewundern ist natürlich viel einfacher, als ein unfreiwilliges gedankengetragenes „Anderssein“ zu verstehen.

Die effektvolle eitelkeitsgetragene „Andersartigkeit“ erreicht von jeher genau das Gegenteil dessen, was sie anzustreben vorgibt: nämlich eine Festigung des „Mainstream“, indem durch leichtverdauliche glitzernde Illusion von Fortschritt die Abwehr gegen eigene Anstrengung fordernden realen Fortschritt verstärkt wird.

Mögen wir uns denn, jeder für sich, von Fall zu Fall jeweils gnadenlos Rechenschaft ablegen, warum wir aus der Reihe tanzen wollen. Und wenn wir merkten, daß wir tatsächlich aus der Reihe tanzen wollen – uns besser um was anderes kümmern.

So isses.

Montag, November 12, 2012

Auf dem Weg zu sich selbst

Einleitend sei gesagt, daß der Vorsatz, „zu uns selbst zu finden“, außer Wortemachen und Sentimentalitäten meist nicht viel bringt. Real umschrieben vielleicht so: müde des von „außen“ übernommenen illusorischen Halts durch Dogmen und Programme – inmitten des allgemeinen Gewusels “in sich selbst” eine reale Stütze suchen.

Nennen wir es aber mal abkürzenderweise „unterwegs zu uns selbst“; iss ja egal, wie man’s nennt...

Auf jenem vielbeschworenen „Weg zu uns selbst“ also – so wir ihn denn real nehmen und nicht als abstraktes Lippenbekenntnis – stoßen wir sofort auf ein ganz gewichtiges Hindernis:

Auf die halbbewußte Angst nämlich vor der Einsicht: Wie wenig wir eigentlich klar, evident, mit eigenen Mitteln durchschauen. Im Vergleich zu dem gewohnheitsmäßig mitgeschleppten Anerzogenen, Angelesenen iss det schon extrem wenig.

Was natürlich zunächst sehr unangenehm ist.

Wenn wir uns nun dieser Angst stellen und klar Schiff machen – wird sie immer weniger; nach und nach kommt man dahin, sich zu orientieren, was man selbst sieht und versteht und was nicht.

Und die Scheu, sich selbst und anderen einzugestehen, daß man etwas nicht versteht, nicht erfaßt – löst sich auf, und macht den Platz frei für – wie langsam auch immer sich entwickelndes – reales Erkennen.

Wo man selbst noch nicht durchblickt, nimmt man das Angelesene, Anerzogene als Krücke; doch macht man das nun bewußt, während man vorher die Krücken mit den eigenen Beinen verwechselte.

Wer sich dieser Angst nicht stellt – ja nun, der bleibt halt in dem stecken, was wir andernorts als „absoluten Wahnsinn“ charakterisiert haben; ganz egal, mit welchen Dogmen er sich über sein Stagnieren hinwegschwindelt (und das Feld der Dogmenherrschaft ist weiter gefächert als man glaubt).

So isses.